So steht Virologe Dr. Martin Stürmer dazu

Trotz steigender Zahlen: Krankenhäuser reduzieren Corona-Betten

21. September 2020 - 12:56 Uhr

Die Bettenanzahl ist in den meisten Bundesländern rückläufig

Deutsche Krankenhäuser halten nach Recherchen der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" trotz steigender Infektionszahlen immer weniger Betten auf ihren Intensivstationen für Patienten frei, die schwer am Coronavirus erkrankt sind. Demnach hat die baden-württembergische Landesregierung in dieser Woche entschieden, dass künftig statt 35 Prozent nur noch zehn Prozent der Betten für diese Patienten reserviert werden sollen. Sie folgte damit der Entwicklung in anderen Bundesländern. In Berlin seien bereits seit Juni nur noch zehn Prozent der Betten für Covid-Patienten reserviert, Niedersachsen folgte Mitte Juli.

+++ Alle aktuellen Informationen zum Coronavirus finden Sie in unserem Live-Ticker auf RTL.de +++

In Bayern und Brandenburg keine Intensivbetten mehr für Covid-Patienten

In Bayern und Brandenburg müssen die Krankenhäuser laut FAS seit dem Sommer gar keine Intensivbetten mehr für Covid-Patienten freihalten, Hamburg habe die Quote im August abgeschafft. Anfang September kippte auch Sachsen-Anhalt die Regelung ganz. Allein in Rheinland-Pfalz seien Krankenhäuser seit dem Frühjahr unverändert dazu angehalten, 20 Prozent ihrer Intensivbetten wegen Corona freizuhalten. Es sei nicht geplant, daran etwas zu ändern, sagte eine Sprecherin des Gesundheitsministeriums in Mainz.

"Es ist richtig, wenn ein Anteil von etwa zehn Prozent freigehalten wird"

Der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, warnte davor, auf die Quotenregelungen zu verzichten. "Grundsätzlich finde ich es angesichts der aktuellen Infektionslage richtig, wenn ein Anteil von etwa zehn Prozent der Intensivbetten für Covid-Patienten freigehalten wird", sagte Reinhardt der FAS. Es sei aber nicht nötig, jedes dritte Bett freizulassen, wie es Baden-Württemberg lange von den Kliniken verlangte.

"Trotz leicht angestiegener Infektionszahlen gab es keine erhebliche Belastung der Intensivstationen", sagte Reinhardt demnach. Für die Entscheidung, die Quote auf zehn Prozent zu senken, sei es deshalb "höchste Zeit" gewesen. Wenn es wieder mehr Patienten mit schwerem Verlauf geben sollte, bliebe den Kliniken genügend Zeit, die Kapazitäten hochzufahren.

Keine Engpässe mehr bei Beatmungsgeräten

Anders als zu Beginn der Pandemie haben die deutschen Krankenhäuser inzwischen keine Engpässe mehr bei Beatmungsgeräten. Mediziner fürchten aber, dass die Covid-Patienten bei einer zweiten Welle der Infektionen nicht gut auf die Krankenhäuser verteilt werden. Zudem fehle es an Personal auf den Intensivstationen. Götz Geldner, der Präsident des Berufsverbands der Deutschen Anästhesisten, sagte der FAS: "Bei einem starken Anstieg von schweren, intensivpflichtigen Covid-Fällen wird es beim Intensivpflegepersonal Engpässe geben." Es gebe nicht genügend gut ausgebildetes Personal.

Bettenanzahl solle laut Virologe Dr. Stürmer nicht zu großzügig reduziert werden

"Die steigenden Zahlen sind eher bei jungen Menschen zu verzeichnen, das heißt weniger schwere Fälle und intensivpflichtige Verläufe. Man muss im Hinterkopf behalten, dass das Virus durch die steigenden Zahlen auch schnell wieder zu den Risikogruppen gehen kann. Und wenn das passiert, brauchen wir die Betten wieder", so Virologe Dr. Martin Stürmer. Die Anzahl solle also nicht zu großzügig reduziert werden. 

Weitere Videos zum Thema Coronavirus finden Sie hier