Trotz Mehrarbeit und Sonderschichten in der Corona-Krise

Mitarbeiter von Supermärkten verdienen weniger

Trotz Mehrarbeit in der Corona-Krise sank der durchschnittliche Lohn für Supermarktverkäufer um 60 Euro.
© dpa, Tobias Hase, tha nic dul

25. November 2020 - 16:02 Uhr

Weniger Gehalt für Verkäuferinnen und Verkäufer im Corona-Jahr

Auch für sie standen die Menschen im Frühjahr auf den Balkonen und an den Fenstern und haben geklatscht: Während des ersten Lockdowns im April wurden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Supermärkten als höchst systemrelevant eingestuft und erhielten Lob und Dankbarkeit aus der Bevölkerung und der Politik. Doch in der Bezahlung drückt sich die Wertschätzung nicht aus. Im Gegenteil: Im Corona-Jahr 2020 ist der Durchschnittslohn für Verkäuferinnen und Verkäufer in Lebensmittelgeschäften sogar gesunken.

Durchschnittslohn für Beschäftigte in Supermärkten sinkt um 167 Euro im Monat

Laut Zahlen des statistischen Bundesamtes, die die Linksfraktion im Bundestag abgefragt hat, sank der durchschnittliche Bruttoverdienst von vollzeitbeschäftigten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Supermärkten um 167 Euro pro Monat auf 2254 Euro im Vergleich zum zweiten Quartal des Vorjahres.

Laut Handelsverband Deutschland arbeiten in deutschen Supermärkten und Discountern ca. 800.000 Beschäftigte, viele von ihnen in Teilzeit. Berücksichtigt man die Gesamtheit aller Mitarbeiter, liegt das Durchschnittsgehalt im Lebensmittelhandel im zweiten Quartal 2020 bei nur 1411 Euro Euro, im gleichen Vorjahreszeitraum lag es noch bei 1471 Euro. Damit sinkt der Durchschnittslohn um 60 Euro brutto.

Zwar hat der Lebensmitteleinzelhandel enorm von der Corona-Krise profitiert, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gehen aber wohl leer aus.

Dietmar Bartsch: "Eigentümer von Aldi, Lidl, Rewe und Edeka hauen sich die Taschen voll"

"Ist das der Dank für diejenigen, die das Land am Laufen halten?" fragt Dietmar Bartsch, Fraktionschef der Linken im deutschen Bundestag. Seit der Corona-Krise, die im Frühjahr so richtig an Fahrt gewann, verzeichneten die Händler satte Umsatzgewinne. Die Menschen deckten sich mit Nudeln, Toilettenpapier oder Mehl ein. An vorderster Front kämpften hier die Verkäuferinnen und Verkäufer in den Discountern und Supermärkten. Sie schoben Sonderschichten, machten Überstunden und trugen auch dazu bei, dass während der Corona-Maßnahmen, sowohl im Frühjahr als auch im Herbst, die Versorgung der Bevölkerung durchgehend gewährleistet ist. Der Linken-Politiker kritisiert daher, "dass sich die Eigentümer von Aldi, Lidl, Rewe und Edeka in der Corona-Krise die Taschen voll hauen, und bei den Verkäuferinnen und Verkäufern, die täglich am Anschlag arbeiten und ihre Gesundheit aufs Spiel setzen" nichts ankomme, so Bartsch.

Mehr Lohn für Verkäuferinnen und Verkäufer gefordert

Enorme Umsatzsteigerung in der Branche, aber weniger Gehalt für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter will der Linken-Fraktionschef nicht akzeptieren und fordert die Bundesregierung zu schnellem Handeln auf. Was es jetzt brauche, seien Lohnerhöhungen für die betroffenen Beschäftigten, so Bartsch. Er fordert deshalb einen Gipfel, bei dem die Anhebung der Löhne auf den Tisch kommt. Außerdem fordert er laut RND mehr Tarifbindung und eine größere Unterstützung der Gewerkschaften: "Arbeitsminister Heil sollte initiativ werden und mit Gewerkschaften und Branchenvertretern das Gespräch aufnehmen", sagt der Fraktionschef der Linken.