Mesut Özil bereut das Erdogan-Foto nicht und gießt Öl ins Feuer

Mit diesem Foto begann der ganze Ärger
Mit diesem Foto begann der ganze Ärger
© dpa, Uncredited, BO nic fdt

22. Juli 2018 - 22:29 Uhr

Von Bernd Kaiser und Carlos Horstkötter

Dass Mesut Özil seine Karriere in der deutschen Nationalelf beenden wollte, wurde bereits im ersten Teil seines dreiteiligen Rundumschlags deutlich. Anders war es nicht zu erklären, dass sich der 29-Jährige zu dem umstrittenen Foto mit dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan bekannte.

Foto "aus Respekt vor dem höchsten Amt des Landes meiner Familie"

Endlich hat sich Mesut Özil öffentlich zur Erdogan-Affäre geäußert - und das ganz anders, als die meisten erwartet bzw. erhofft hatten. Der deutsche Nationalspieler bekannte sich nämlich zu dem umstrittenen Foto mit dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan. "Ob es der türkische oder der deutsche Präsident gewesen wäre, meine Handlungen wären nicht anders gewesen", schrieb Özil in einem Beitrag auf seinen Profilen in den sozialen Netzwerken.

Zu seiner Zukunft in der DFB-Elf äußerte sich der 29-Jährige zunächst nicht, es war aber zu diesem Zeitpunkt bereits nur schwer vorstellbar, dass er nach der massiven Kritik, die er nach dem Erdogan-Foto einstecken musste, und der Stellungnahme weiterhin im Nationaltrikot spielen würde.

Ausführlich erläuterte Özil, warum er das Foto im Mai in London gemacht hat. Er habe sich dazu "aus Respekt vor dem höchsten Amt des Landes meiner Familie" bereit erklärt, das er unabhängig von der Person Erdogan achte: "Für mich hat es keine Rolle gespielt, wer der Präsident war, sondern dass es der Präsident war."

Özil hört auf seine Mama

Er verstehe, dass seine Erklärung "vielleicht schwer nachzuvollziehen" sei, fügte Özil an. Aber die Queen oder die englische Premierministerin Theresa May hätten ähnlich gehandelt, als sie Erdogan trafen. "Was auch immer das Ergebnis der letzten Wahlen gewesen wäre, oder der Wahlen davor, ich hätte das Bild trotzdem gemacht", betonte Özil. Er würde es also wieder machen. Das Foto, das entstand, als Erdogan sich mitten im Wahlkampf befunden hatte, sei weder als politische Botschaft noch als Wahlhilfe zu verstehen gewesen, schrieb Özil analog zu seinem  Kollegen Ilkay Gündogan.

Seine Mutter habe ihn stets gelehrt, Respekt zu zeigen und nie zu vergessen, "wo ich herkomme". Hätte er sich geweigert, Erdogan zu treffen, hätte er seine Wurzeln verleugnet, meinte Özil. Er sei sich darüber im Klaren, dass das Treffen in den deutschen Medien hohe Wellen geschlagen habe, ergänzte er, wolle aber nicht als Lügner dastehen. Und: "Mein Beruf ist Fußballer, nicht Politiker."