Trotz Kritik von Angela Merkel: Tafel Essen hält an Aufnahme-Stopp für Ausländer fest

Alleinerziehende, Senioren und Familien mit minderjährigen Kindern im Mittelpunkt

Da nützt auch die Kritik von Bundeskanzlerin Angela Merkel nichts: Die Tafel in Essen bleibt bei ihrer Entscheidung, vorübergehend nur noch Bedürftige mit deutschem Pass aufzunehmen. Dass es trotz großem Ausländeranteil auch anders geht, zeigt derweil die Tafel in Wattenscheid.

Über Lebensmittel-Verteilung am Runden Tisch nachdenken

Um über die künftige Lebensmittel-Verteilung zu beraten, will die Essener Tafel in den kommenden zwei Wochen einen Runden Tisch gründen. Das erklärte der Vorstand nach einer außerordentlichen Sitzung. Dabei seien sich aber alle einig, dass Alleinerziehende, Senioren und Familien mit minderjährigen Kindern im Mittelpunkt stehen sollten.

Das große und überwiegend negative Echo macht dem Verein dennoch zu schaffen. Der Vorsitzende der Tafel Essen, Jörg Sartor, denkt über einen Rücktritt nach, weil Unbekannte die Worte "Nazi" und "Fuck Nazis" auf Fahrzeuge und Gebäude des Vereins gesprüht hatten. "Es hat mir hier immer Spaß gemacht. Aber ich habe keinen Bock mehr, man verliert einfach die Lust. Ich bin kurz davor, hinzuschmeißen", sagte der 61-jährige der 'Bild'. "Jetzt haut ein Haufen von Politikern auf uns ein, ohne sich zu informieren. Die sollen sich mal her bewegen und vor Ort mitarbeiten - danach können sie sich gerne äußern." Tatsächlich ist Flüchtlingshilfe nicht Aufgabe der Tafeln, die Zustände an den Ausgabestellen zeigen vielmehr die Versäumnisse der Politik auf.

Rund drei Viertel der Nutzer in Essen sind Ausländer

Begründet wird die Maßnahme der Essener Tafel mit einem großen Anteil an Ausländern, nämlich rund drei Viertel. Gerade ältere Nutzerinnen sowie alleinerziehende Mütter hätten sich von den vielen fremdsprachigen jungen Männern in der Warteschlange abgeschreckt gefühlt, hatte Sartor gesagt. Bei diesen Männern habe er teilweise auch "mangelnden Respekt gegenüber Frauen" beobachtet. Auch fehle manchem die hierzulande übliche "Anstellkultur" in der Schlange - sprich: Einige sollen sich vorgedrängelt haben. Die Essener Tafel hatte seit dem 10. Januar neue Berechtigungen zum Empfang von Lebensmitteln vorübergehend nur noch für Bürger mit deutschem Ausweis ausgestellt.

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Tafel in Wattenscheid zeigt Alternative zum Aufnahmestopp

Dass es auch Alternativen zu einem Aufnahmestopp gibt, zeigt die Tafel im benachbarten Wattenscheid. Dort können nach einem Bericht der 'Westdeutschen Allgemeinen Zeitung' Senioren schon eine halbe Stunde vor dem allgemeinen Start kommen. Dem Bericht zufolge hatten es in Wattenscheid vor einigen Monaten einheimische bedürftige Rentner und Alleinerziehende schwer, sich angesichts zahlreicher Flüchtlinge und Zuwanderer in der Masse zu behaupten. "Irgendwann wurde es einfach zu viel und unübersichtlich. Wir haben die Einkünfte-Kontrollen verschärft, gestaffelte Zugangszeiten eingeführt und deutliche Worte gewählt. Das hat geholfen", sagte Tafel-Leiter Manfred Baasner der Zeitung.