Klare Ansage

Lehrerverband: Schlechte Schüler sollen freiwillig sitzen bleiben

07. April 2020 - 10:13 Uhr

Bleiben Schüler bald freiwillig sitzen?

Die Corona-Krise hat den Lehrplan an deutschen Schulen komplett auf den Kopf gestellt. Wie gut die Schüler mit Homeschooling klar kommen, ist von Fall zu Fall anders. Damit ist das Leistungsniveau in den Klassen bereits unweigerlich auseinander gegangen. Der Deutsche Lehrerverband rät Schülern mit schlechten Leistungen jetzt dazu, die Klasse wegen der Corona-Krise lieber freiwillig zu wiederholen. Im Video sehen Sie dazu ein Interview mit Heinz-Peter Meidinger, dem Präsidenten des Deutschen Lehrerverbandes.

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Besser freiwillig sitzen bleiben, als "mit massiven Wissenslücken" ins nächste Schuljahr zu starten

Für Schüler, die mit ihrer Leistung ohnehin auf der Kippe stehen, stellt sich nun die Frage, wie es im kommenden Schuljahr weitergehen soll. Meidinger warnte, zunächst in der "Bild", davor, mit "massiven Wissenslücken" ins nächste Schuljahr zu starten. Diese Empfehlung gelte aber nur für Schüler, bei denen "bereits vor Corona solche Leistungsdefizite feststellbar waren, dass ein Erreichen des Klassenziels unwahrscheinlich gewesen wäre."

Die besondere Lage erfordert daher eine neue Flexibilität, sich auf neue Situationen einzulassen: "Ich finde es richtig, dass in dieser Sondersituation in den Bundesländern darüber nachgedacht wird, Schüler großzügig vorrücken zu lassen. Also die bisherigen Sitzenbleiber-Regeln sozusagen zu lockern," sagt er im RTL-Interview.

Freiwilliges Wiederholen verhindert ein nochmaliges Wiederholen einer Klasse

 Bilder zeigen einen leeren Klassenraum in der NMS Zirl. *** Pictures show an empty classroom in the NMS Zirl PUBLICATIONxNOTxINxAUT
Leere Klassenzimmer: Die Schüler sind im Homeschooling.
© imago images/Zeitungsfoto.at, LIEBL Daniel zeitungsfoto.at via www.imago-images.de, www.imago-images.de

Die Entscheidung zum "Ja" oder "Nein" fürs Wiederholen müsste im Einzelfall auch bald fallen. In Niedersachsen bereiten die Schulen auf Regierungsanweisung beispielsweise schon die Zeugnisse vor. Das ist besonders für Schüler hart, die ohnehin mit schlechten Leistungen zu kämpfen haben.

Sie haben nicht mehr die Chance, ihre Noten überhaupt zu verbessern. "Das freiwillige Wiederholen hat in vielen Bundesländern auch den Vorteil, dass es nicht als Pflichtwiederholung gewertet wird, was ein nochmaliges Wiederholen einer Jahrgangsstufe ausschließen kann", so Meidinger.

Schulen müssten mit ihrem Lehrplan "wieder in die Normalspur kommen"

Grundsätzlich müssten Schulen in allen Bundesländern nun überlegen, wie sie "wieder in die Normalspur der Lehrplanerfüllung einschwenken können", so der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes. Vorstellbar wären etwa zusätzliche Förderkurse und Kürzungen eventuell verzichtbarer Lehrplaninhalte.

"Uns allen ist an einer bundeseinheitlichen Regelung gelegen"

Zwei Drittel des Schuljahrs sind in einigen Ländern bereits geschafft. Ob es nach den regulären Osterferien aber wieder in geregelte Bahnen übergeht, steht aktuell noch nicht fest: "Im Moment wissen wir nicht sicher, ob die Schulen am 20. April wieder öffnen können. Dazu benötigen wir die Expertise der Gesundheitsexperten, die die Entwicklung der Corona-Infektionen im Blick haben", so Dr. Stefanie Hubig, Vorsitzende der Kultusministerkonferenz (KMK), im RTL-Interview.

Weiter betont sie: "Uns allen ist an einer bundeseinheitlichen Regelung gelegen. Wir wissen, dass die Schulen, die Eltern, die Schülerinnen und Schüler möglichst frühzeitig Bescheid wissen wollen. Im Moment ist die Lage allerdings extrem dynamisch. Trotzdem werden wir alles daran setzen, die Beteiligten so früh wie möglich darüber zu informieren, wie es ab dem 20. April weitergeht."

TV NOW-Doku: Stunde Null - Wettlauf mit dem Virus

Welcher Weg führt am schnellsten aus der Krise? Wie können wir das Corona-Virus bekämpfen? Damit beschäftigt sich der zweite Teil der TV NOW-Dokumentation "Stunde Null – Wettlauf mit dem Virus".