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Trotz heftiger Kritik: Test zur Gesichtserkennung in Berlin wird verlängert

Trotz heftiger Kritik: Test zur Gesichtserkennung in Berlin wird verlängert

Pilotprojekt am Südkreuz läuft sechs Monate länger

Wer den Berliner Bahnhof Südkreuz betritt, wird seit August 2017 von speziellen Kameras erfasst. Das Pilotprojekt soll testen, wie gut die Technik zur automatischen Gesichtserkennung funktioniert. Doch das Pilotprojekt soll jetzt nicht nur sechs Monate länger laufen als geplant. Bundesinnenminister Thomas de Maizière will diese Form der Videoüberwachung an sämtlichen Bahnhöfen und Flughäfen einführen. Auch im öffentlichen Nahverkehr könne er sich die Gesichtserkennung vorstellen, wenn die Technik so funktioniert wie gedacht.

Erkennungsquote liegt bei 70 bis 85 Prozent

Eine positive Zwischenbilanz konnte der Innenminister bereits ziehen. Am Bahnhof Südkreuz wurden die Testpersonen, die sich für das Projekt registriert hatten, in 70 bis 85 Prozent der Fälle richtig erkannt. "Das ist besser, als ich erwartet habe und die meisten Kritiker auch", sagte de Maizière.

Eigentlich sollte der Test Ende Januar auslaufen. Jetzt will die Bundespolizei aber noch weitere sechs Monate damit herumexperimentieren: Erkennen die Kameras die Testpersonen auch mit Mütze oder Schal vor dem Gesicht? Reichen auch verschwommene Fotos, um eine Person eindeutig zu identifizieren? Erst wenn diese Fragen geklärt sind, lässt sich präzise einschätzen, ob das System wirklich zuverlässig funktioniert, erklärte der Innenminister.

De Maizière hat keine verfassungsrechtlichen Bedenken

Datenschützer kritisieren das Projekt. "Wenn massenhaft Gesichter von unbescholtenen Bürgerinnen und Bürgern an Bahnhöfen gescannt werden, dann greift der Staat schwerwiegend in Grundrechte ein", erklärte der Deutsche Anwaltsverein. De Maizière hat keine verfassungsrechtlichen Bedenken. Wenn man nach Terroristen und Schwerverbrechern fahndet, hält er die neue Technik für notwendig.