Trotz gewonnener Zivilklage: Hooligan-Opfer muss Prozess zahlen

24. Juni 2015 - 10:13 Uhr

Verurteilter Täter kann nicht zahlen

Ein junger Mann wurde Opfer einer brutalen Attacke von Bielefelder Hooligans. Im Krankenhaus musste er sogar ins künstliche Koma versetzt werden. Glücklicherweise erholte er sich weitgehend. Ein 20-jähriger Hooligan wurde in einem Strafprozess als Haupttäter wegen versuchten Mordes zu vier Jahren und zehn Monaten Haft verurteilt. Vor einem Zivilgericht klagte Malte im Anschluss auf Schadensersatz. Mit kurioser Folge, die für Empörung sorgt, aber dem deutschen Rechtssystem entspricht.

Trotz gewonnener Zivilklage: Hooligan-Opfer muss Prozess zahlen
Trotz gewonnener Zivilklage muss Malte die Prozesskosten übernehmen.

Zwar gewann er den Prozess und ihm wurden 35.000 Euro Schmerzensgeld zugesprochen. Doch von diesem Geld hat der 26-Jährige bis heute nichts gesehen. Ganz im Gegenteil – der 20-jährige Täter verfügt weder über die finanziellen Mittel, das Schmerzensgeld zu zahlen, noch kann er für die entstandenen Prozesskosten aufkommen. Das Gericht wandte sich an Malte. Er, das Opfer der grausamen Attacke, soll rund 2.500 Euro zahlen.

Denn anders als im Strafprozess trägt in einem Zivilprozess - wo es etwa um Schmerzensgeld geht - der Kläger das Risiko. Er ist Auftraggeber im Verfahren. Wenn die Gegenseite verliert, aber nicht zahlen kann, muss der Kläger zahlen. "Im Zusammenhang mit einer schweren Körperverletzung ist das ein bedauerlicher Einzelfall", erklärte Rechtsanwalt Jan Teigelack. Generell komme es aber öfter vor, dass aus einem Urteil nicht vollstreckt werden könne, "weil der Schuldner kein Geld hat".

Sollte der verurteilte Hooligan in den nächsten 30 Jahren zu Geld kommen, muss er Schmerzensgeld und Prozesskosten nachzahlen. Doch erstmal wird Malte die Rechnung begleichen – auch dank der Spenden, die er nach dem Überfall bekommen hat.