Arzt schätzt aktuelle Lage in der Region ein

Trotz einem Lockdown mehr in Berchtesgaden: Längerfristig kaum weniger Infektionen

Berchtesgaden hatte schon mal einen harten Lockdown - gebracht hat es wenig.
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22. Januar 2021 - 12:05 Uhr

Coronakrise in Bayern: Berchtesgadener Land hat schon mehrere Lockdowns hinter sich

Die Menschen im Berchtesgadener Land leben seit Monaten im Ausnahmezustand. Als dort im Oktober der erste Lockdown beschlossen wurde, lag der Inzidenzwert bei weit über 300, drei Wochen später zeigten die harten Maßnahmen Wirkung: Der Wert halbierte sich auf rund 150. Nun sind weitere Wochen vergangen, Weihnachten und Neujahr liegen hinter uns, aber die Zahlen sind kaum gesunken – im Gegenteil. Aktuell liegt der Inzidenzwert bei etwas mehr als 180. Wir haben mit Dr. Michael Stegbauer über die aktuelle Lage im Berchtesgadener Land gesprochen. Der Mediziner ist Direktor der Klinik für Berufskrankheiten in Bad Reichenhall.

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Vom 19. Oktober bis zum 2. November galt in Berchtesgaden bereits ein härterer Lockdown

Berchtesgaden hat einen Lockdown mehr hinter sich als der Rest von Deutschland. Am 19. Oktober, zwei Wochen vor den bundesweiten Corona-Beschränkungen, wurden im Berchtesgadener Land wegen rasant gestiegener Corona-Zahlen Ausgangsbeschränkungen beschlossen, das Verlassen der eigenen Wohnung war nur mit triftigem Grund erlaubt. Schulen und Kitas mussten schließen, Restaurants und Hotels trotz zahlreicher Klagen auch, Veranstaltungen wurden abgesagt und der Wintertourismus wurde stillgelegt. Am 2. November liefen diese Maßnahmen aus, weil sich die Inzidenz zwischenzeitlich merklich verringert hatte.

Trotz einem Lockdown mehr: Kaum längerfristige Senkung der Zahlen in Berchtesgaden

Ab dann galten in Berchtesgaden dieselben Regeln wie im Rest von Bayern. Schulen und Kitas waren bis zum 16. Dezember geöffnet, auch die Ausgangsbeschränkungen wurden gelockert. Zwischendurch gingen die Zahlen wieder nach oben – offenbar eine direkte Auswirkung der gelockerten Regeln.

Doch warum hat sich der erste harte Lockdown in Berchtesgaden nicht längerfristig ausgewirkt? "Das ist schwer zu sagen", sagt Landrat Kern im Gespräch mit RTL, "obwohl wirklich alles unternommen wird, gelingt es einfach nicht, dass man auf null runterkommt." Dennoch zeigt er sich optimistisch. "Wichtig ist, dass wir durchhalten, das man dranbleibt", so der Landrat. Er appelliert an die Vernunft, sich weiter an die Regeln zu halten. Auch, wenn er deswegen auch mal beleidigt werde, so Kern.

Mehr jüngere Patienten auf Covid-Station

Auch Dr. Michael Stegbauer zeigt sich im Interview mit RTL optimistisch. Die Covid-19-Station seines Krankenhauses in Bad Reichenhall ist mit zehn Betten ausgestattet. "Die Belegung ist seit einer Woche rückläufig", sagt er. Die Höchstphase lag von Weihnachten bis Mitte Januar, in der Zeit sei die Station voll gewesen. "Wir vermuten einen Zusammenhang mit der Einschränkung des Tagestourismus und der jetzt etablierten Nutzung der FFP2-Masken", erklärt der Mediziner die entspanntere Situation auf der Covid-Station. Mit den aktuellen Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie – zu denen in Bayern bereits eine FFP2-Maskenpflicht gehört – sei man "auf einem guten Weg", aber letzendlich werde der "vermehrte Einsatz von Impfungen" die entscheidende Hilfe bringen, meint der Arzt.

Aktuell werden weniger ältere Menschen in seiner Klinik behandelt, da die meisten Bewohner der Pflegeheime im Landkreis geimpft worden seien. "Jetzt sehen wir eher jüngere Patienten, die weniger Begleiterkrankungen haben, sich aber schneller erholen können", sagt Stegbauer. Viele hätten sich im privaten Bereich mit dem Coronavirus infiziert, aber auch während des stationären Aufenthalts in der Klinik.

Frust bei Gastronomen und Hoteliers

Doch der Lockdown sorgt vor allem bei den Gastronomen für Frust. Christoph Graschberger, Geschäftsführender Gesellschafter der Familienbrauerei Bürgerbräu, sagt im Gespräch mit RTL, dass die aktuelle Situation sehr ernst sei. "Wir sind in der Situation, dass wir die angekündigten Hilfen unbedingt in Anspruch nehmen müssen und da gibt es nicht ganz einfache Hürden zu überwinden." Alle Mitarbeiter seien in Kurzarbeit, die in der Brauereigaststätte sogar zu hundert Prozent.

Wie es weiter geht, weiß er nicht, das wisse keiner. Der Gastronom erwartet eine harte Zeit und einen langsamen Einstieg in die Normalität. "Wenn der Lockdown gelockert wird, wird es nicht sofort von null auf hundert gehen", sagt er. So lange bleiben Stühle im "Bürgerbräu" weiter gestapelt. "Was wehtut ist, dass die Maßnahmen, die sehr einschneidend waren und wirtschaftlich schon bis in die Existenzkrise gehen können, über Wochen nichts bewirkt haben." Er hofft, dass "dem Spuk" bald ein Ende bereitet wird.

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