"Eine Oase in der toten Fußballwüste"

Trotz Corona-Pandemie: Volle Stadien in Weißrussland

Energetik-BGU - BATE Borisow
© dpa, Sergei Grits, nic

27. März 2020 - 15:03 Uhr

Weißrussland ignoriert die Corona-Pandemie

Überall in Europa bleiben die Fußballstadien wegen der Corona-Krise leer. Kein Verein spielt mehr, alle Partien wurden abgesagt. Nur in Weißrussland geht das Leben weiter, als wäre nichts passiert. "Eine Oase in der toten Fußballwüste" – nannten es die Fußballkommentatoren im Fernsehen. Alle Clubs haben dort den Spielbetrieb planmäßig aufgenommen.

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Fußballspiel in Weißrussland
In Weißrussland wurde wegen des Coronavirus bisher kein Fußballspiel abgesagt - alles läuft normal weiter.
© imago images/ITAR-TASS, Natalia Fedosenko via www.imago-images.de, www.imago-images.de

Präsident hält das Coronavirus für eine "Psychose"

94 Fälle der Lungenkrankheit Covid-19 sind in Weißrussland laut den Zahlen der John Hopkins Universität gemeldet (Stand: 27. März, 13 Uhr) Tendenz - wie fast überall - steigend. Doch der als "letzter Diktator Europas" kritisierte Präsident Alexander Lukaschenko sieht keinen Anlass "drakonische Maßnahmen" zu erlassen. Der 65-Jährige gab früh die Devise aus, dass die Corona-Panik am Ende schlimmer sein könne als das Virus selbst.

"Ich nenne dieses Coronavirus nicht anders als eine Psychose und lasse mich auch nicht davon abbringen", sagte Lukaschenko. "Die zivilisierte Welt ist verrückt geworden, und die Politiker haben schon damit angefangen, die Situation für ihre Interessen auszunutzen." Es sei eine "absolute Dummheit", etwa Grenzen zu schließen.

Hunderte Fans kamen jeweils zu den Spielen - teils mit Mundschutz. Die Stimmung schwankte zwischen Freude und eiserner Clubtreue bis hin zu Unsicherheit, wie die Boulevardzeitung "Komsomolskaja Prawda" berichtete. Die von einem früheren Soldaten geführte Fußballvereinigung ABFF versicherte zwar, die Lage genau zu beobachten. Dass sie aber am Ende gegen Staatschef Lukaschenko entscheidet, gilt in dem autoritär geführten Land als ausgeschlossen.

Präsident von Weißrussland Alexander Lukaschenko
Der weißrussische Präsident Alexander Lukaschenko hält das Coronavirus für eine "Psychose".
© DPA

„Die Panik, die durch die Ausbreitung des Coronavirus entsteht, benebelt den Verstand“

Doch die Kritik nimmt zu. "Die belarussische Meisterschaft mit Zuschauern - das ist einfach Wahnwitz", sagte Sergej Alejnikow, Ex-Profi von Juventus Turin. Er wirft den Funktionären Leichtsinn vor. Vorerst sind aber auch andere Einschränkungen nicht in Sicht. Aber selbst die orthodoxe Kirche in Belarus nahm inzwischen die Ängste vor einem möglichen großflächigen Ausbruch der Lungenkrankheit ernst.

Der Minsker Erzbischof Pawel erhob sich nach dem Sonntagsgebet im Hubschrauber über die belarussische Hauptstadt, um in der Hand Weihwasser zum Schutz vor dem Coronavirus zu verteilen. Auf Linie der Staatsführung blieb er dennoch: "Die Panik, die durch die Ausbreitung des Coronavirus entsteht, benebelt den Verstand." Gott werde das Land vor der tödlichen Epidemie schützen.

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Quelle: dpa, RTL.de