Trotz Corona-Lockdown

Immer mehr Post- und Paketbeschwerden

© dpa, Oliver Berg

08. Juli 2020 - 14:10 Uhr

Deutlich mehr Probleme als im Vorjahr

Zoff am Briefkasten! Im ersten Halbjahr 2020 haben sich die Kunden der Deutschen Post und ihrer Mitbewerber schon wieder deutlich häufiger beschwert als im Jahr zuvor.

Mehr als 10.000 schriftliche Beschwerden

Bei der Bundesnetzagentur gingen bis Ende Juni mehr als 10.000 schriftliche Beschwerden ein, wie die Behörde der Deutschen Presse-Agentur auf Anfrage mitteilte. 2019 waren es im gleichen Zeitraum rund 8.700 Beschwerden.

Etwa die Hälfte der kritischen Meldungen betrafen Päckchen. Das leidigste Thema: Probleme bei der Zustellung. Das ist erstaunlich, weil nach Aussagen von Paketdienstleistern die Zustellung bei Privathaushalten während der Corona-Krise besser klappte als zuvor, weil mehr Menschen zuhause waren.

Probleme auch mit Briefen, Filialen und Briefkästen

14.05.2018, Niedersachsen, Braunschweig: Ein Postbote auf einem Fahrrad wirft einen langen Schatten auf eine Straße - fotografiert aus der Vogelperspektive vom Braunschweiger Rathausturm. Foto: Julian Stratenschulte/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Symbolfoto.
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Doch auch viele Briefe schienen per Luftpost gekommen zu sein – immerhin lösten auch sie sich immer häufiger in Luft auf. 35 Prozent der Beschwerden bezogen sich demnach auf Briefe. Anders als im Paket-Bereich dürfte sich hier der übergroße Teil Beschwerden auf die Dienstleistung der Deutschen Post beziehen, die bei der Zustellung von Briefen mit einem Marktanteil von mehr als 80 Prozent fast ohne Konkurrenz ist. Der Rest der Beschwerden drehte sich um verschiedene andere Probleme, etwa mit Filialen oder Briefkästen.

Wer Probleme beim Erhalt von Briefen oder Paketen hat, kann sich bei der Bundesnetzagentur melden, die als Regulierungsbehörde für die Post- und Paketbranche zuständig ist. Offen ist aber, ob man aus den seit langem steigenden Beschwerdezahlen eine schlechtere Qualität der Dienste ableiten kann. Vermutlich war vielen Bürgern lange gar nicht bekannt, dass sie sich offiziell beschweren können.

Deutsche Post kann Anstieg nicht nachvollziehen

Bei der Post kann man den Anstieg der Zahlen nicht nachvollziehen: Man stelle vielmehr einen Rückgang von Beschwerden fest, sagte ein Sprecher – "und dies trotz der großen, Corona-bedingten Herausforderungen, die teils zu berechtigten Beschwerdeanlässen geführt haben."

Pascal Meiser, der für die Linken im Bundestag im Beirat der Bundesnetzagentur sitzt, forderte, die Arbeitsbedingungen in der Paketbranche zu verbessern - so erreiche man auch eine höhere Kundenzufriedenheit. "Wir brauchen endlich eine Lizenzpflicht für die Paketzustellung, die die Paketdienstleister an harte Qualitäts- und Sozialstandards bindet und die Weitergabe von Aufträgen an Subunternehmerketten unterbindet", sagte Meiser der dpa.