Zahl der Antikörper bei Genesenen sinkt

Nach Corona-Infektion: Können wir uns immer wieder anstecken?

12. Juli 2020 - 17:20 Uhr

Neue Erkenntnisse dämpfen Hoffnung auf Langzeit-Immunität

Sind wir nach einer durchgestandenen Infektion mit dem Coronavirus nun immun oder nicht? Das versucht die Wissenschaft noch eindeutig zu klären. Neue Erkenntnisse dämpfen jetzt allerdings die Hoffnung auf eine langfristige Immunität und damit auch auf eine lange Wirksamkeit einer möglichen Impfung: Im Blut der ersten deutschen Corona-Patienten, die im Januar behandelt wurden, ist die Zahl der sogenannten neutralisierenden Antikörper deutlich abgesunken.

Ob es tatsächlich möglich ist, sich erneut mit dem Coronavirus anzustecken, beantwortet Immunologe Dr. Thomas Jacobs im Video.

Geringe Antikörper-Anzahl spricht für mögliche Neuansteckung

Wie Clemens Wendtner, Chefarzt der Klinik für Infektiologie an der München Klinik Schwabing, erklärt: "Bei vier der neun Patienten sehen wir sinkende neutralisierende Antikörper in einem sehr speziellen Test, der nur in einem Hochsicherheitslabor erfolgen kann. Inwieweit dies Auswirkungen für die Langzeitimmunität und die Impfstrategien hat, ist derzeit noch spekulativ, muss aber im weiteren Verlauf kritisch beobachtet werden." Es deute aber darauf hin, dass nach durchgemachter Krankheit eine Neuansteckung möglich sei.

T-Zellen könnten trotzdem Schutz bieten

Dafür, ob wir eine langfristige Immunität gegen das Virus entwickeln, sei nicht nur die sogenannte B-Zell-assoziierte Immunität relevant, die über Antikörper gemessen wird, sondern auch die sogenannte T-Zell-Immunität. Sollten also Patienten neutralisierende Antikörper verlieren, könnte diese eventuell einen Schutz geben: T-Lymphozyten können virusinfizierte Zellen gezielt abtöten, wenn sie zuvor ihren Gegner einmal kennen gelernt haben. Wie sie arbeiten, erklärt Dr. Jacobs im Video oben.

Starker Antikörper-Rückgang bei Patienten ohne Symptome

Die Erkenntnisse von Wendnter reihen sich in die Erfahrungen anderer Wissenschaftler und Studienergebnisse ein. Chinesische Forscher berichteten im Fachblatt "Nature Medicine", dass die Antikörper nach zwei Monaten vor allem bei Patienten mit symptomfreiem Verlauf stark zurückgingen. Aber auch bei tatsächlich erkrankten Patienten fielen die Werte deutlich. Patienten mit wenig Corona-Symptomen hatten zudem weniger Antikörper und somit eine schwächere Immunantwort entwickelt.

Quelle: DPA/RTL.de