Junge Mutter muss Kind beim Sterben zusehen

Baby mit Edwards-Syndrom kommt nach Abtreibung lebend zur Welt

Loran Denison (links im Bild mit Tochter Bunni Rose) berichtet: Ihr Sohn kam in der 18. Schwangerschaftswoche nach einer Abtreibung lebend zu Welt.
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21. Mai 2021 - 12:10 Uhr

Lorans Sohn litt am Edwards-Syndrom

Loran Denison ist in der 15. Schwangerschaftswoche – sie erwartet ihr viertes Kind, einen Jungen – als die Ärzte ihr die erschütternde Diagnose mitteilen: Ihr ungeborenes Kind leidet am Edwards-Syndrom, auch Trisomie 18 genannt. Die seltene Genommutation verursacht unheilbare Behinderungen, viele Kinder sterben bereits während der Schwangerschaft, die Hälfte der Neugeborenen stirbt innerhalb weniger Tage nach der Geburt. Loran entscheidet sich für einen medikamentösen Schwangerschaftsabbruch. Doch ihr Sohn kommt trotzdem lebend zur Welt. Zehn Stunden lang muss die junge Mutter ihrem Kind beim Sterben zusehen.

"Ich habe keine Worte dafür, wie grausam das war"

Loran ist 18 Wochen und vier Tage schwanger als der Tag ihres geplanten Schwangerschaftsabbruchs gekommen ist. Um die Abtreibung einzuleiten, nimmt die Britin aus Blackburn, Lancashire die Abtreibungspille. "Sie sagten mir, sie würde den Herzschlag und alles andere zum Stillstand bringen, also gingen wir davon aus, dass er bei der Geburt nicht mehr leben würde", berichtet die 27-Jährige dem britischen Magazin "Daily Mail". Zwei Tage später begeben sich Loran und ihr Partner Scott ins Krankenhaus, wo die Geburt eingeleitet wird. Am Nachmittag des 9. April kommt ihr Sohn Kiyo Bleu Watson zu Welt. Doch dann der Schock für die Eltern: Ihr Kind atmet noch.

"Als mein Partner ihn nach der Geburt hielt, sagte er 'Sein Herz schlägt'", erinnert sich Loran an den schrecklichen Moment, als beiden Eltern klar wurde, dass ihr Kind die Abtreibung überlebt hatte. Auch die Ärzte seien überrascht gewesen, berichtet die junge Mutter weiter. "Bevor sie die Geburt eingeleitet haben, überprüften sie die Herztöne nicht und ich wünschte, das hätten sie getan. Ich habe keine Worte dafür, wie grausam das war."

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Mama Loran quälen Gewissensbisse

Loran und Scott lassen ihren 150-Gramm-leichten Sohn im Krankenhaus segnen und taufen. Zehn Stunden lang schlägt Kiyo Bleus winziges Herz noch, bevor es aufgibt. Die trauernden Eltern nehmen ihn mit nach Hause, um sich dort gemeinsam mit ihren drei anderen Kindern - Rocco (6), Bunni Rose (3) und Romee Beau (2) - vom kleinsten Geschwisterchen verabschieden zu können.

Mama Loran quälen nun Gewissensbisse, ob die Abtreibung wirklich die richtige Entscheidung war. "Kiyo Bleu war so stark, dass ich mich jetzt frage, ob er vielleicht doch überlebt hätte. Sein Herzschlag war so stark, das konnte man spüren", betont Loran im Interview mit "Daily Mail". "Wenn ich gewusst hätte, dass er lebend auf die Welt kommt, hätte ich vermutlich eine andere Entscheidung getroffen."

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Im Video: Wie funktioniert die Abtreibungspille?

In Deutschland wird der Wirkstoff Mifepriston für den medikamentösen Schwangerschaftsabbruch verwendet. Das Mittel darf bis zum 63. Tag nach dem ersten Tag der letzten Monatsblutung (neunte Schwangerschaftswoche) eingenommen werden. Durch die Einnahme wird der Muttermund erweicht und öffnet sich, zusätzlich wird das schwangerschaftserhaltende Hormon Progesteron gehemmt. Etwa 36 bis 48 Stunden nach der Einnahme verabreicht der Arzt zusätzlich Prostaglandine, die wehenfördernd wirken und eine Fehlgeburt auslösen. Diese Art der Abtreibung kommt in 95 Prozent der Schwangerschaftsabbrüche zur Anwendung. Mehr Informationen über die Abtreibungspille finden Sie im Video. (dhe)