Tropfen auf den heißen Stein: Schlecker zahlt zehn Millionen Euro an Gläubiger

21. Juni 2013 - 13:33 Uhr

Schlecker-Familie behält Luxusvilla

Die Schlecker-Familie muss im Streit um ihre Villa und weitere Immobilien 10,1 Millionen Euro zahlen. Darauf einigte sich die Familie mit dem Insolvenzverwalter. Damit wird ein komplizierter Gerichtsprozess verhindert. Während die Familie jetzt weiter unter anderem in ihrer Villa in Ehingen bei Ulm wohnen darf, schauen die Gläubiger weiter in die Röhre: Wegen der hohen Gesamtforderungen sind die 10 Millionen Euro nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

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Die Schlecker-Familie zahlt 10,1 Millionen aus ihrem Privatvermögen an die Gläubiger und legt damit den Streit um übertragene Immobilien bei.
© dpa, Julian Stratenschulte

"Die Familie hat sich in dieser Sache sehr kooperativ verhalten", betonte Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz. Der einstige Drogeriekönig Anton Schlecker soll vor der Pleite viel Geld in Sicherheit gebracht und auf seine Familie übertragen haben. Schlecker führte das einstige Drogerieimperium als sogenannter eingetragener Kaufmann, weswegen er mit seinem gesamten Privatvermögen haftet. Der Insolvenzverwalter hatte daher darauf gepocht, dass dieses Vermögen zurückgezahlt werden müsse. Die Millionensumme setzt sich nun aus Bargeld sowie dem Marktwert übertragener Immobilien und Sachgüter zusammen.

Nur ein Bruchteil für die Gläubiger

Die 10,1 Millionen Euro fließen jetzt der Insolvenzmasse zu, aus der die Gläubiger entschädigt werden. Diese Summe zahlt die Familie unter anderem für ihr luxuriöses Anwesen in Ehingen bei Ulm, das allein auf einen Millionenwert geschätzt wird. Auch ein Logistikzentrum im österreichischen Pöchlarn gehört damit weiter der Familie.

Geldgeber hatten nach der Schlecker-Pleite aber insgesamt Forderungen von mehr als einer Milliarde Euro geltend gemacht. Die Gefahr, fast leer auszugehen, wird sich durch die nun erzielte Summe daher nicht groß mindern: Nur ein Bruchteil dürfte durch die 10,1 Millionen Euro gedeckt werden.

Familie Schlecker könnte es bei dem Deal nicht nur um das Haus gegangen sein: Unabhängig von der Einigung im Streit um die Immobilien ermittelt die Staatsanwaltschaft Stuttgart gegen Anton Schlecker und 13 weitere Beschuldigte wegen Verdacht der Untreue, Insolvenzverschleppung und des Bankrotts. Auf diese Ermittlungen habe die erzielte Einigung keinen Einfluss, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Sollte es allerdings zu einem Prozess kommen, so die Sprecherin, könnte sich das Einlenken bei den Vermögensübertragungen strafmildernd für Anton Schlecker auswirken.