Trickserei an der Waage: So werden Kunden abgezockt

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11. August 2012 - 18:44 Uhr

Gemeinsame Aktion für Verbraucherschutz

Ein Blatt Papier um das Wurstpaket, ein Schälchen für den Obstsalat oder eine Plastikfolie zum Schutz der Tomaten – Verpackungen sind meist nicht schwerer als ein paar Gramm und dennoch verändern sie das Gewicht der Einkaufsware und damit auch dessen Preis. Zum Vorteil der Händler und zum Nachteil der Kunden, denn die müssen mehr zahlen. Während Händler mit dieser Praxis bis zu 500 Euro im Jahr zusätzlich verdienen, sprechen die Behörden mittlerweile von "Betrug am Kunden".

Genau aus diesem Grund haben die Eichdirektionen der Länder Hessen, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz in den letzten beiden Wochen Metzger, Bäcker und Lebensmittelmärkte gezielt überwacht. Mithilfe von Testkäufern wollten sie herausfinden, ob die von ihnen gekauften Produkte korrekt abgewogen wurden. Das Ergebnis ist ernüchternd - zumindest für die Kunden.

Am schlechtesten schnitten die Lebensmittelhändler laut einem Bericht der 'Süddeutschen Zeitung' in Hessen und Baden-Württemberg ab. Demnach wurde in einem Drittel der Betriebe die Ware nicht richtig gewogen, besonders hoch sei die Quote in kleinen Betrieben, Metzgereien oder Feinkostläden. In Rheinland-Pfalz wogen sechs Prozent der getesteten Betriebe falsch.

Systematisches Tricksen?

Hintergrund der gemeinschaftlichen und sogar im Voraus angekündigten Aktion ist, dass in den vergangenen Jahren bis zur Hälfte der Betriebe den Kunden die Verpackungen mitberechnet haben. Dies ist gemäß Eichordnung unzulässig und stellt eine Ordnungswidrigkeit dar, die mit Bußgeldern von mehreren hundert Euro bestraft werden kann.

Klaus Pankow von der Hessischen Eichdirektion sieht in diesem Verhalten nicht nur einen Betrug am Kunden, sondern auch unfairen Handel. "Mal kennt sich eine Aushilfskraft nicht aus, mal muss es schnell gehen, wenn die Kunden drängeln, aber manchmal drängt sich der Verdacht auf, dass hier systematisch getrickst wird", sagte Pankow der 'Süddeutschen Zeitung'.

Um sich gegen dieses unlautere Verhalten zu wehren, sollten Kunden gezielt beobachten, direkt an der Kasse nachfragen und bei offensichtlichen Verstößen die örtlichen Eichämter einschalten.