Trendwende im Mordfall Pistorius? Keine Beweise für vorsätzlichen Mord

15. April 2014 - 18:09 Uhr

Chefermittler von seinen Aufgaben entbunden

Die Chancen des wegen vorsätzlichen Mordes angeklagten Oscar Pistorius auf eine vorzeitige Freilassung auf Kaution sind deutlich gestiegen. Am dritten Anhörungstag im Magistratsgericht der südafrikanischen Hauptstadt Pretoria erhoben die Anwälte des Paralympics-Stars schwere Vorwürfe gegen den leitenden Polizeiermittler Hilton Botha. Der Offizier musste im Kreuzverhör zugeben, dass am Tatort keine Beweise gefunden worden seien, die Pistorius einen vorsätzlichen Mord nachweisen können. Der Angeklagte besteht weiter auf die Version, er habe seine Freundin Reeva Steenkamp aus Versehen erschossen.

Hilton Botha, Pretoria
Polizeioffizier Hilton Botha darf den Fall Pistorius nicht mehr leiten.
© REUTERS, MIKE HUTCHINGS

Laut Pistorius' Anwalt Barry Roux habe es gravierende Fehler der Polizei bei der Spurensicherung gegeben. So trug Botha während der ersten Ermittlungen am Tatort keine Schuhüberzüge. Zudem hatte Botha ausgesagt, Pistorius habe nach den Schüssen auf Steenkamp keinen Notarzt gerufen – auch diese Aussage sei falsch gewesen.

Am zweiten Anhörungstag hatte Botha von einem Zeugen gesprochen, der einen Streit zwischen Pistorius und seiner Freundin vor den Schüssen gehört haben will. Auf Nachfrage der Verteidigung, wie weit der Zeuge von dem Haus des Athleten gewohnt habe, verhaspelte sich Botha und korrigierte die Entfernung von 600 Metern auf 300.

Bereits zu Beginn des Tages wurde bekannt, dass sich Botha selbst wegen siebenfachen versuchten Mordes verantworten müsse. Dabei geht es um einen Vorfall aus dem Jahr 2009, als der Polizeioffizier auf einen Kleinbus mit sieben Insassen schoss, um ihn am Weiterfahren zu hindern. Zwar sei der Fall zwischenzeitlich fallengelassen worden, er werde nun aber wieder aufgenommen. Deshalb entschied Südafrikas Polizeichefin Riah Phiyega, Botha von seinen Aufgaben im Fall Pistorius zu entbinden.

Botha reagierte überrascht auf die Wiederaufnahme des Falles. "Ich verstehe nicht, warum der Fall wieder aufgenommen wurde. Ich kann mir nur vorstellen, dass es etwas mit meiner Arbeit (im Fall) Oscar Pistorius zu tun hat", sagte Botha dem Fernsehsender eNCA.

Botha kommt zu spät – Verhandlung erneut vertagt

Die ungewöhnlich lange Sitzung vor dem Magistratsgericht nahm auch an Tag drei kein Ende. Weil Botha verspätet zu seinem Kreuzverhör aufgetaucht war, verzögerte sich die Sitzung. Richter Desmond Nair vertagte die Verhandlungen auf den morgigen Freitag (22.2.). Dann soll auch die Entscheidung über eine mögliche Freilassung fallen.

Die Staatsanwaltschaft wehrt sich dagegen. Es bestehe Fluchtgefahr. Schließlich drohe dem 26-Jährigen bei einer Verurteilung eine Haftstrafe zwischen 15 Jahren und lebenslänglich. Pistorius besitze ausländische Konten und eine Immobilie in Italien. Die Verteidigung meint hingegen, dass es schon alleine wegen mancher Ermittlungsmängel keine Belege für einen "vorsätzlichen Mord" gebe.