Treffen mit Ministerpräsidenten

Rettet Merkel Weihnachten?

Coronavirus - Abstand zu Weihnachten
© dpa, Kira Hofmann, kir cul

28. Oktober 2020 - 0:21 Uhr

Von Philip Scupin

Noch 58 Tage bis Heiligabend. Das klingt viel – und doch könnte sich schon am Mittwoch entscheiden, wie sehr uns Corona dieses Weihnachten vermiest. Denn: Kanzlerin Merkel und die Ministerpräsidenten der Bundesländer diskutieren über neue Maßnahmen gegen das Virus. Reichen die nicht aus, könnte es danach schon zu spät sein, um Weihnachten noch zu retten. Dieser Schuss muss also sitzen.

UPDATE: Das ist Merkels Corona-Plan für den November – RTL liegt exklusiv die Beschlussvorlage für das Krisentreffen mit den Ministerpräsidenten vor.

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Krankenhäuser womöglich zu Weihnachten unter Druck

Die Infektionszahlen sind mittlerweile schon so hoch, dass wohl innerhalb der nächsten Tage vielerorts die Kontaktnachverfolgung in den Gesundheitsämtern versagen wird. Dadurch gibt es noch mehr Ansteckungen und damit auch mehr Corona-Tests, die dadurch wiederum knapp werden.

Die Folge: Noch schlechtere Nachverfolgung, noch mehr Ausbreitung. Am Ende geraten die Intensivstationen in den Krankenhäusern unter Druck. Die meisten Experten und viele Politiker sind sich deshalb inzwischen sicher: Damit Weihnachten nicht im absoluten Krisenmodus stattfindet, muss Deutschland möglichst sofort auf die Bremse treten. Die Streitfrage aber ist: Wie scharf müssen wir bremsen?

Früher oder später Lockdown?

Ministerpräsidenten wie Michael Kretschmer (Sachsen), Reiner Haseloff (Sachsen-Anhalt) und Bodo Ramelow (Thüringen) hatten sich bislang gegen allzu strikte Einschränkungen gewehrt. In ihren Ländern sind die Infektionszahlen schon immer niedriger gewesen als anderswo. Doch auch hier steigen sie inzwischen deutlich.

Dagegen steht eine wachsende Fraktion, die sagt: Lieber jetzt, im November, für drei bis vier Wochen richtig runterfahren als zu Weihnachten. Lieber jetzt den Stress eines Teil-Lockdowns ertragen, als in der Adventszeit Infektionszahlen wie in Frankreich zu haben und dann doch noch durchgreifen zu müssen. Zu dieser Fraktion gehören auch Bundeskanzlerin Merkel und ihr Kanzleramtsminister Helge Braun.

Laut "Bild" hat Merkel in der Fraktionssitzung von CDU/CSU gesagt, man müsse verhindern, dass es zwischen dem 15. und 31. Dezember am schlimmsten ist. "Wenn wir mehr tun, gewinnen wir Luft für die Feiertage." Auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder sagt zum Thema Einschränkungen: "Lieber gleich und richtig als spät und halbherzig."

Freizeitbereich könnte geschlossen werden

Der von Merkel und Söder offenbar favorisierte "Wellenbrecher-Shutdown" von wenigen Wochen könnte vor allem den Freizeitbereich treffen. Schulen, Kitas und Handel sollen möglichst lange offenbleiben. Dafür könnten zum Beispiel Fitness- und Yogastudios, Sportclubs, Weihnachtsmärkte und Kletterhallen geschlossen und die meisten Veranstaltungen verboten werden. So wird es auch in einem Strategiepapier des NRW-Gesundheitsministeriums für die Beratungen morgen vorgeschlagen. Schleswig-Holstein hat schon mal vorlegt: Dort soll in den nächsten drei Wochen die Zahl 10 als Personen-Obergrenze für alle Bereiche gelten.

Vorquarantäne könnte Familienfeiern ermöglichen

Auch der Epidemiologe Prof. Timo Ulrichs hält einen mehrwöchigen Teil-Lockdown für effektiv. "Angesichts der augenblicklichen epidemiologischen Dynamik und für den Fall, dass die aktuellen Verschärfungen nicht greifen sollten, wäre ein mindestens zweiwöchiger (partieller) Lockdown zu empfehlen, damit die Übertragungen auch wirklich abnehmen", so Ulrichs bei RTL. Da Schulen, Kitas und Einzelhandel offenbleiben sollen, könnte laut dem Epidemiologen sogar ein längerer Lockdown-Zeitraum notwendig sein. Am wichtigsten seien Maßnahmen, die den privaten Bereich betreffen und damit auch am schwersten durchzusetzen und zu kontrollieren sind.

Fürs Fest hat Ulrichs keine so rosigen Aussichten: "Weihnachten wird mit oder ohne vorherigen Lockdown anders verlaufen als gewohnt: keine oder kaum Weihnachtsmärkte, keine Weihnachtsgottesdienste (sondern alternative Angebote im Freien)." Für Familienbesuche zu Weihnachten gelt: eine "Vorquarantäne" von mindestens 14 Tagen aller Beteiligten senke das Risiko einer Übertragung gerade auf ältere Familienangehörige.

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