Traumstart in Europa - Dämpfer in der Liga

© Bongarts/Getty Images, Bongarts

14. Oktober 2013 - 13:50 Uhr

Der Europapokal hat in Frankfurt ein wahres Feuer der Euphorie entfacht. Schon beim Qualifikationsspiel gegen Qarabag Agdam (Kasachstan) spielte das Team von Trainer Armin Veh vor einer beeindruckenden Kulisse. Doch die Europa League brachte nicht nur Begeisterung an den Main. Die Dreifachbelastung zwang die Verantwortlichen zum Umdenken in ihrer Personalpolitik. Die Eintracht nahm Geld in die Hand, um den Kader vor allem in der Breite zu verbessern. Der Erfolg in der Liga hielt sich bisher in Grenzen, was aber auch einem harten Auftaktprogramm geschuldet ist.

Neun Neuzugänge holte Sportdirektor Bruno Hübner im Sommer. Darunter Vehs Wunschstürmer Vaclav Kadlec nach zähen Verhandlungen mit Sparta Prag. Der Tscheche, der mit 3,5 Millionen Euro der teuerste Neueinkauf war, schlug ein wie eine Bombe. Drei Tore in der Bundesliga und eines in der Europa League sind auf dem Konto des 21-Jährigen. Die restlichen Neueinkäufe verschaffen dem Coach die Möglichkeit, mehr zu variieren, um so die Belastungen des internationalen Geschäfts zu kompensieren. Johannes Flum fügte sich gut ins zentrale Mittelfeld der SGE ein, Stefan Schröck überzeugte zeitweise als Vertreter von Sebastian Jung auf der rechten Abwehrseite.

Rückkehrer Marco Russ weiß auch auf der Sechser-Position zu überzeugen und entwickelte mit inzwischen drei Pflichtspieltoren echte Goalgetter-Qualitäten. Tranquillo Barnetta zieht seit seinem Last-Minute-Transfer von Schalke nach Frankfurt die Fäden im Mittelfeld.

Angesichts des Frankfurter Lazaretts kamen die Verstärkungen keinen Tag zu früh. Schlüsselspieler Alex Meier fehlt den Hessen schon seit Wochen wegen rätselhafter Oberschenkelprobleme. Kapitän Pirmin Schwegler fällt wegen eines Innenbandrisses im Knie länger aus. Zudem hat es auch einen von den Neuen erwischt: Jan Rosenthal, der bis dahin hinter den Erwartungen zurückblieb, laboriert seit Wochen an Wadenproblemen.

Eine wirkliche Enttäuschung war bisher nur der aus Hoffenheim gekommene Joselu. Der Spanier ist zurzeit hinter Kadlec und Srdan Lakic nur die Nummer drei im Angriff der Eintracht. Von Marvin Bakalorz (Dortmund II) und Torhüter Felix Wiedwald (Duisburg) war nicht mehr als die Reservistenrolle zu erwarten.

Mammut-Programm zum Auftakt

Wirklich enttäuschend präsentierte sich die Eintracht nur zum Auftakt. Das 1:6 in Berlin am 1. Spieltag war der Tiefpunkt seit dem Aufstieg unter Veh. Seither verbesserte sich die SGE schrittweise. Allerdings war es angesichts eines harten Auftakt-Programmes schwer, in Tritt zu kommen. Die Heimspiele gegen Bayern (0:1) und Dortmund (1:2) gingen verloren. Zumindest in Braunschweig (2:0) gab es einen Pflichtsieg. Wirklich überzeugend präsentierten sich die Rot-Schwarzen erstmals in Bremen. Beim 3:0 an der Weser zeigten die Frankfurter die Spielfreude der vergangenen Saison.

Danach begeisterte die Eintracht ihre Fans vor allem in der Europa League. Zunächst fegte die SGE mit Girondins Bordeaux den vermeintlichen Favoriten ihrer Gruppe F mit 3:0 aus dem eigenen Stadion. Mit einem erneuten 3:0 in Nikosia machten die Frankfurter den Traumstart auf internationaler Bühne perfekt. Auch im DFB-Pokal wusste die Veh-Truppe zu überzeugen und hat mit dem SV Sandhausen im Achtelfinale eine lösbare Aufgabe vor heimischem Publikum vor der Brust.

In der Liga gab es zuletzt drei Unentschieden. Während Frankfurt in Stuttgart (1:1) noch Glück hatte, als Vedad Ibisevic einen Strafstoß in der Nachspielzeit Richtung Stadiondach ballerte, wurden gegen Hamburg (2:2) und in Freiburg (1:1) die Siege kurz vor Schluss aus der Hand gegeben. Allerdings wäre ein Sieg beim SCF nicht verdient gewesen, da sich die Eintracht wieder von ihrer unkreativen Seite zeigte.

Insgesamt kann man bei den Frankfurtern von einem Saisonstart mit Höhen und Tiefen sprechen. Mit dem neuen Kader kann die Eintracht die Belastungen des internationalen Geschäfts auffangen. Wichtig ist allerdings, dass demnächst auch in der Liga die nötigen Dreier eingefahren werden, damit man sich von Tabellenplatz 13 zumindest wieder ins Mittelfeld vorabreiten kann. Sollten Leistungsträger wie Meier und Schwegler bald zurück sein und weitere Verletzungen ausbleiben, ist für die SGE ein weiterer Schritt nach vorne drin.