Ehepaar spricht über den Verlust seines Babys

Trauerurlaub für Eltern auch in Deutschland? „Die Trauernden müssen im Vordergrund stehen, nicht der Arbeitgeber“

06. Februar 2020 - 15:54 Uhr

Mehr Zeit für trauernde Eltern

In Frankreich sollen Eltern, die ihr Kind verloren haben, in Zukunft zwölf Tage Sonderurlaub bekommen. Ganz anders in Deutschland: Hier stehen trauernden Eltern zwei Tage Sonderurlaub zu. Andreas und Eva Beyers haben im September 2017 ihr Kind verloren. Sie fordern mehr Verständnis für trauernde Eltern in Deutschland: "Die Trauernden müssen im Vordergrund stehen, nicht der Arbeitgeber!" Im Video sehen Sie, warum Eva und Andreas sechs Wochen nach dem Tod ihres Kindes wieder arbeiten gegangen sind.

Baby Pia kurz nach der Geburt gestorben

Am Ende der Schwangerschaft musste bei Eva Beyers völlig unerwartet ein Notkaiserschnitt eingeleitet werden. Doch die Ärzte konnten die kleine Pia nicht retten, sie starb nur wenige Minuten nach der Geburt. Als ihre Mutter aus der Narkose aufwachte, war ihr Baby bereits verstorben. "Richtig realisiert habe ich das alles erst am nächsten Tag", sagt die 36-Jährige.

Zwei Tage Sonderurlaub

Wer sich in Deutschland nicht in der Lage fühlt, nach zwei Tagen Sonderurlaub wieder arbeiten gehen zu können, braucht eine Krankschreibung. Für Eva und Andreas Beyers hat die Zeit nicht gereicht: Das Paar ist nach sechs Wochen wieder zur Arbeit gegangen. Auch die in Frankreich angedachten zwölf Tage Trauerurlaub betrachten sie kritisch: "Man kann in der Zeit vielleicht die ganzen Behördengänge schaffen, aber die ganze Trauerarbeit schafft man in zwölf Tagen noch lange nicht"

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„Die zwölf Tage würden wenigstens die Zeit bis zur Beerdigung abdecken“

Birgit Rutz Trauerbegleiterin
Trauerbegleiterin Birgit Rutz fordert mehr Verständnis für trauernde Eltern.
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Birgit Rutz ist Trauerbegleiterin beim Verein "Hope's Angel". Sie hat auch Eva und Andreas Beyers bei dem Verlust ihres Kindes begleitet. Der Tod des eigenen Kindes sei für die Eltern ein unvorstellbar starker Einschnitt in ihr Leben. Zwölf Tage Trauerurlaub reichen aus ihrer Sicht noch nicht, könnten aber ein guter Schritt in die richtige Richtung sein: "Die zwölf Tage würden wenigstens die Zeit bis zur Beerdigung abdecken. Das ist auch die Zeit, wo wir den Eltern den Rat geben, nicht arbeiten zu gehen, sondern sich krankschreiben zu lassen. Denn das ist eine heilige Zeit, man kann Abschied nehmen von dem Verstorbenen", sagte die Trauerbegleiterin.

Beerdigung und Behördengänge

Andreas und Eva Beyers haben nach dem Tod ihrer Tochter die Hilfe von Birgit Rutz dankend angenommen: "In dieser Situation ist man nicht in der Lage, alle Formulare auszufüllen. Da braucht man Hilfe", sagt Eva Beyers. Birgit Rutz hat das Paar bei Behördengängen begleitet und die Beisetzung der kleinen Pia organisiert. Die Bestattung selbst zu organisieren, sei für trauerden Eltern häufig kaum möglich: "Man hat vorher ja nie darüber nachgedacht, was man tun muss, um sein eigenes Kind zu beerdigen" sagte die Trauerbegleiterin.

Hilfe für trauernde Eltern

Eva und Andreas Beyers
Eva und Andreas Beyers mit ihren Kindern.
© RTL

Andreas und Eva Beyers haben von ihren Arbeitgebern sehr viel Unterstützung erfahren: "Ich brauchte in den ersten Monaten bei der Arbeit nicht ans Telefon zu gehen, ich habe nur den Bürokram gemacht und mich etwas zurückgezogen" sagte Eva.
Das Paar wünscht sich, dass noch mehr Arbeitgeber in Deutschland auf die Bedürfnisse von trauernden Eltern Rücksicht nehmen: "Noch besser als 12 Tage Trauerurlaub, wären flexible Lösungen der Arbeitgeber".

Das Paar hat mittlerweile zwei gesunde Kinder zur Welt gebracht: die Zwillinge Ben und Lea.