Trauernde Orca-Mutter Tahlequah trägt wochenlang ihr totes Junges übers Meer

Orca-Wal Tahlequah schleppt ihr totes Junges.
© dpa, Ken Balcomb, nic fgj

12. August 2018 - 18:05 Uhr

Tahlequah kann ihr totes Baby nicht loslassen

Die Bilder sind herzzerreißend: Eine Orca-Mutter hält wochenlang ihr lebloses Baby über Wasser, damit es nicht im Pazifik vor der US-Westküste versinkt. Unfähig ihren Verlust zu akzeptieren, beweist die Schwertwal-Dame, wie ähnlich sie uns Menschen ist. Millionen Menschen auf der ganzen Welt sind von ihrem Schicksal betroffen und zeigen ihre Anteilnahme im Netz.

Wal-Art ist vom Aussterben bedroht

Orca-Wal schleppt totes Junges
Das Baby wurde in den Gewässern vor der kanadischen Stadt Victoria geboren. Doch es überlebte nicht einmal eine Stunde, wie die Wissenschaftler des "Center for Whale Research" mitteilten.
© dpa, Ken Balcomb, nic fgj

Tahlequahs Trauerakt ist ein privater. Sie weiß nicht, dass Millionen von Menschen ihr zusehen und mitfühlen. Dennoch kommen wir nicht umhin, auch einen protestierenden Aspekt in ihrer Trauer zu spüren. Wie NRDC berichtet, kam das Baby der Orca-Dame abgemagert zur Welt und hatte nicht genug Fettgewebe, um länger als eine halbe Stunde zu überleben. Das Junge wurde zum Symbol für die vom Aussterben bedrohte Familie der Puget Sound Orcas, die einer Vielzahl von Bedrohungen ausgesetzt ist. Die größte von ihnen: Der starke Rückgang ihrer Hauptnahrungsquelle, dem Königslachs. Experten vermuten, dass die globale Erwärmung und die damit verbundenen Veränderungen im Pazifik dafür verantwortlich sind, das berichtet die "New York Times".

Empathie auf Twitter

"Es ist furchtbar erschütternd, aber auch sehr bewegend. Ich glaube die Orca-Familie tut das, um auf ihre Notlage aufmerksam zu machen. Ich hoffe, die Menschen kümmern sich genug und finden einen Weg, ihre natürliche Wildlachs-Quelle wiederherzustellen. Es ist das Richtige", erklärt eine Userin, nachdem die "Seattle Times" ihre Leser dazu aufforderte, zu der Geschichte Stellung zu nehmen. Tausende Menschen schickten ihre Geschichten, Portraits und sogar ein Ballett-Stück ein und zeigten, wie sehr sie das Schicksal der Walmutter bewegte. Viele der Antwortenden haben selbst Erfahrungen mit dem Verlust eines Kindes, Unfruchtbarkeit oder Fehlgeburten gemacht und können sich so mit dem trauernden Tier identifizieren. Kathleen Buchanan schreibt auf Twitter: "Tahlequah ist jede Mutter, die ein Kind verloren hat." Und auch Dr. Jacquelyn Gill fühlt mit ihr: "Es ist besonders hart für mich als Tochter, die gerade ihre Mutter verloren hat und im letzten Jahr mit ihrer Fruchtbarkeit zu kämpfen hatte."

Nach 17 Tagen hat Tahlequah losgelassen

Mittlerweile konnte die Walmutter ihre Trauerarbeit beenden und trägt ihr totes Baby nicht mehr mit sich. Das berichtet Ken Balcomb, der Gründungsdirektor des "Center for Whale Research" in einer Email an die "Seattle Times": "J35 (wie Tahlequah auch genannt wird) tummelte sich heute mit anderen Walen vor meinem Fenster. Sie sieht kräftig und gesund aus. Die Tortur, dass sie mindestens 17 Tage und für 1.000 Meilen ein totes Kalb mit sich trug, ist nun vorbei. Gott sei Dank."