Bewegende Trauerfeier

Hunderte nehmen Abschied von Walter Lübcke

14. Juni 2019 - 10:49 Uhr

Gottesdienst in Kasseler Martinskirche

Regierungspräsident Walter Lübcke wurde nachgesagt, das Herz auf der Zunge zu tragen. Er habe die Region Nordhessen wie kein anderer verkörpert, sagen viele. In einer bewegenden Trauerfeier in der Kasseler Martinskirche haben Familie, Freunde und Wegbegleiter Abschied von Walter Lübcke genommen. Sein Sohn Christoph hielt eine bewegende Trauerrede. Ausschnitte daraus - in unserem Video. Der 65-jährige Politiker wurde Anfang Juni mit einem Kopfschuss auf der Terrasse seines Wohnhauses getötet.

13.06.2019, Hessen, Kassel: Polizei und Bundeswehr halten eine Ehrenwache am Sarg bei einem Trauergottesdienst in der Martinskirche für den verstorbenen Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke (CDU).
Hunderte Menschen nahmen Abschied von Walter Lübcke. So viele, dass die Trauerfeier live auf dem Kirchvorplatz übertragen wurde.
© dpa, Swen Pförtner, spf jat

Lübckes Tod noch immer ein Schock

Mehrere hundert Trauergäste haben sich versammelt, um Walter Lübcke die letzte Ehre zu erweisen. So viele, dass sie nicht alle in der Kirche Platz finden konnten. Auf dem Kirchvorplatz wurde deshalb eine Live-Übertragung eingerichtet, die parallel laufende Straße gesperrt.

Zu Beginn schritten Lübckes Frau und seine beiden erwachsene Söhne den Kirchgang entlang, jeder mit einer roten Rose in der Hand, die sie auf dem Sarg niederlegten. Das erste Lied, das die Trauergemeinde sang, trug den Namen "Ich kann es immer noch nicht fassen" – ein Titel, der auf grausame Weise den Schock wiederspiegelt, der das Land mit dem Angriff auf Lübcke erschütterte.

Bischof verurteilt Hetze gegen Lübcke

13.06.2019, Hessen, Kassel: Martin Hein, Bischof der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW), spricht bei einem Trauergottesdienst in der Martinskirche für den verstorbenen Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke (CDU).
Bischof Martin Hein verurteilte die Hetze, die nach Lübckes Tod in den sozialen Netzwerken betrieben wurde.
© dpa, Swen Pförtner, spf jat

Polizei und Bundeswehr hielten während des Gottesdienstes eine Ehrenwache am Sarg, welcher mit der Hessen-Flagge bedeckt war. Der Bischof der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, Martin Hein, hielt die Trauerrede. Darin würdigte er Lübcke als "Mann des klaren Wortes und der klaren Tat". Am deutlichsten sei dies im Sommer 2015 zum Ausdruck gekommen, als Aufnahmemöglichkeiten für Flüchtlinge hätten geschaffen werden müssen, wobei "Kreativität und Initiative gefragt" gewesen seien. Hein verurteilte auch die "widerwärtigen" Reaktionen nach dem Tod Lübckes. Auslöser waren flüchlingsfreundliche Aussagen, ebenfalls aus dem Jahr 2015. "Die Würde des Menschen, auch eines verstorbenen Menschen, muss unantastbar bleiben - auch im Netz", so Hein.

Bouffier: "Geselligkeit war ihm wichtiger als irgendwelche Likes"

13.06.2019, Hessen, Kassel: Volker Bouffier (CD), Ministerpräsident von Hessen, spricht bei einem Trauergottesdienst in der Martinskirche für den verstorbenen Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke (CDU).
Bouffier betonte in seiner Rede Lübckes Menschlichkeit und sein freundliches Wesen.
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Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier schloss sich seinem Vorredner an und verurteile die Reaktionen auf Lübckes Tod in den sozialen Netzwerken scharf. Lübcke sei unverwechselbar und authentisch gewesen. "Er leistete sich den Luxus, so zu sein, wie er sein mochte", so Bouffier. Trotz des hektischen Politikbetriebs habe er sich immer das Menschliche bewahrt. Geselligkeit sei ihm wichtiger gewesen als "die Likes in irgendwelchen Netzwerken". "Er mochte die Menschen, und die Menschen mochten ihn. Er war beliebt, ohne beliebig zu sein", gedachte Bouffier seinem langjährigen Wegbegleiter und Freund.

Sohn Christoph: "Wir werden dich immer in unseren Herzen tragen"

Besonders emotional wurde es während der Trauerrede von Lübckes Sohn Christoph. Mit brüchiger Stimme sprach er zu seinem verstorbenen Vater: "Lieber Papa, wir müssen nach deinem unfassbaren Tod von dir Abschied nehmen. Wir werden dich immer in unseren Herzen tragen". Walter Lübcke habe seine Familie immer spüren lassen, dass sie das Wichtigste in seinem Leben seien. Mit seiner unverwechselbaren Art habe der 65-Jährige einen Fußabdruck in den Herzen vieler Menschen hinterlassen. Christoph Lübcke schloss seine Rede mit einem Versprechen an seinen Vater: "Wir werden deinen Enkeln von ihrem Opa erzählen."