Trauerfeier für Georg Ratzinger im Regensburger Dom

Ein Foto von Domkapellmeister Georg Ratzinger steht im Dom neben seinem Sarg. Foto: Uwe Moosburger/Bistum Regensburg/dpa/Archivbild
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08. Juli 2020 - 8:21 Uhr

Seine letzte Ruhe soll Domkapellmeister Georg Ratzinger in der Grabstelle der Regensburger Domspatzen finden. Den Knabenchor hatte der ältere Bruder des emeritierten Papstes Benedikt XVI. 30 Jahre lang geleitet. Die Beisetzung in dem Stiftungsgrab auf dem Unteren Katholischen Friedhof ist nach Bistumsangaben für heute Mittag geplant. Zuvor findet ein Requiem im Regensburger Dom statt, zelebriert von Bischof Rudolf Voderholzer.

Aufgrund der Corona-Situation ist die Zahl der Plätze im Dom während des Requiems eingeschränkt. Die Feier kann nach Bistumsangaben im Livestream verfolgt werden. Unter den Gästen werden Benedikts Privatsekretär Georg Gänswein sowie der Erzbischof von München und Freising, Kardinal Reinhard Marx, erwartet. Ratzinger war am vergangenen Mittwoch im Alter von 96 Jahren gestorben - zwei Wochen, nachdem ihn der frühere Pontifex überraschend am Krankenbett besucht hatte. Zur Beerdigung wird Benedikt den Angaben nach nicht anreisen.

Die Brüder standen sich sehr nahe. Es war ihnen ein Herzensanliegen, sich noch einmal zu Lebzeiten treffen zu können. So war Benedikt für fünf Tage in seine frühere Heimatstadt gereist, wo er mehrfach seinen Bruder besuchte sowie sein ehemaliges Wohnhaus in der Gemeinde Pentling und das Grab seiner Eltern und Schwester.

Benedikt lebt seit seiner Emeritierung im Jahr 2013 in einem Kloster hinter den Mauern des Vatikan. Dort besuchte ihn Georg Ratzinger immer wieder. Auch für den März dieses Jahres war eine Reise nach Rom vorgesehen, dann jedoch wegen der Corona-Pandemie ausgefallen. In den folgenden Wochen ging es dem 96-Jährigen schlechter, was durch den kurzfristigen Besuch Benedikts in Regensburg öffentlich geworden war.

Von 1964 bis 1994 hatte Ratzinger die Domspatzen geleitet. "Der liebe Gott hätte mir keine schönere Aufgabe geben können", sagte er im Ruhestand rückblickend auf seine Doppelberufung als Priester und Kirchenmusiker.

Im hohen Alter hatte ihn der Skandal um Misshandlungen und sexuellen Missbrauch bei den Domspatzen eingeholt. Konfrontiert mit Vorwürfen räumte Ratzinger ein, Singknaben in seinen Anfangsjahren als Kapellmeister selbst auch Ohrfeigen verpasst zu haben. Nun, Jahrzehnte später, gedachten 200 Domspatzen ihres Domkapellmeisters bei einer Totenvesper am Sonntag im Regensburger Dom.

Quelle: DPA