Trauer, Tränen und Wut: Demonstration nach Hanauer Anschlag

Demonstrierende auf dem Freiheitsplatz in Hanau. Foto: Andreas Arnold/dpa
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22. Februar 2020 - 18:00 Uhr

Rund 6000 Menschen haben am Samstag nach dem mutmaßlich rassistisch motivierten Anschlag in Hanau gegen Hetze und Menschenverachtung demonstriert. Drei Tage nach den tödlichen Schüssen gab es im Herzen der Stadt Bilder der Trauer, aber auch der Wut. "Wir sind in tiefer Trauer und wir sind wütend", sagte die Sprecherin des Bündnisses "Solidarität statt Spaltung", Newroz Duman. Der Grünen-Politiker Cem Özdemir legte zusammen mit Vertretern der Kurdischen Gemeinde Deutschland am Heumarkt, dem ersten Tatort des 43 Jahre alten Todesschützen, einen Kranz nieder.

Es sei schwer, Worte zu finden, sagte Özdemir. Er hoffe, "dass dieses Jahr in die Geschichte eingeht als das Jahr, in dem die Republik ernst macht gegen Rechtsradikalismus". Im Beisein von Angehörigen der Opfer forderte Özdemir: "Es darf keine neue Tat mehr geben!" Die Grünen-Politikerin Berivan Aymaz sagte, dass die Menschen sich nicht mehr sicher fühlten. Man müsse sich mit dem Rassismus in dieser Gesellschaft auseinandersetzen. Wenn Minderheiten sich nicht mehr sicher fühlten, habe die Demokratie ein Problem.

Kurz vor der Kranzniederlegung schrie ein Angehöriger eines Opfers am Heumarkt seine Trauer und seine Wut heraus. Unter Tränen brach der Mann fast zusammen und musste von Freunden gestützt werden. Aus der Gruppe der Angehörigen und Freunde rief eine Frau in Richtung von Polizisten: "Jetzt seid ihr da, wo es zu spät ist."

Mit Tränen in den Augen verharrten auch die Demonstranten bei einer Schweigeminute am Heumarkt. Sie gedachten der Verletzten und der Menschen, die es zufällig nicht getroffen hat und die Augenzeugen der grausamen Tat wurden. Bei dem bunten Umzug durch die Innenstadt trugen sie Plakate mit Aufschriften wie "Muss erst getötet werden, damit ihr empört seid?", "Menschenrechte statt rechte Menschen" oder "Rassismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen". Immer wieder zeigten Teilnehmer die Bilder der noch jungen Opfer.

Für die nach Polizeiangaben friedliche Demonstration hatten die Veranstalter mit 2000 Teilnehmern gerechnet - es kamen aber viel mehr. Die Polizei und Organisatoren zählten am Nachmittag rund 6000 Teilnehmer. Auch für den Sonntag war wieder eine Demonstration angemeldet.

Ein 43 Jahre alter Deutsche hatte am Mittwochabend in Hanau neun Menschen mit ausländischen Wurzeln erschossen. Der Sportschütze tötete auch seine 72 Jahre alte Mutter und dann sich selbst. Nach bisherigen Erkenntnissen hatte der Täter eine rassistische Gesinnung und war psychisch krank.

Quelle: DPA