Trauer nach Busunfall in Frankreich: 3-Jähriger unter den Toten

24. Oktober 2015 - 17:05 Uhr

Identifizierung der Opfer beginnt

Bei einem der schwersten Busunglücke Europas starben mindestens 43 Menschen. Unter den Toten ist auch der dreijährige Sohn des LKW-Fahrers, der auf dem Beifahrersitz saß. Zwei Menschen schweben noch immer in Lebensgefahr. Inzwischen wurden die ersten Leichen geborgen

Derzeit konzentrieren sich die Ermittler darauf, die Leichen zu identifizieren. Die ersten wurden bereits geborgen, wie die französische Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf Polizeikreise berichtete. Dabei soll es sich um mehrere Passagiere handeln. Die Opfer sollten den Angehörigen so rasch wie möglich übergeben werden. Nach Angaben des ermittelnden Staatsanwalts von Libourne, Christoph Auger, blieb zunächst unklar, ob alle angemeldeten Passagiere tatsächlich an Bord des Busses waren. Ermittelt wird zudem, warum die Fahrzeuge Feuer fingen. Ersten Hinweisen, wonach der Lastwagen den dramatischen Unfall verursachte, wurde von Gendarmerie und Staatsanwalt widersprochen. Es werde mehrere Wochen dauern, um die Ursache zu finden, unter welchen Umständen sich der Unfall abgespielt habe, sagte Auger.

Der Reisebus mit einer Seniorengruppe an Bord stieß am Freitag auf einer Landstraße rund 40 Kilometer östlich von Bordeaux mit einem Lastwagen zusammen. Beide Fahrzeuge gingen in Flammen auf und brannten aus. In dem Lkw kamen der Fahrer und sein drei Jahre alter Sohn ums Leben. Acht Menschen wurden bei der Katastrophe in der Nähe des Ortes Puisseguin verletzt, zwei von ihnen lebensgefährlich.

Hollande: "Furchtbare Tragödie"

Der überlebende Busfahrer hatte noch versucht, auszuweichen, dies aber nicht mehr geschafft, berichtete der Bürgermeister des Unglücksortes, Xavier Sublett. "Er konnte nur noch den Türmechanismus betätigen, um es einigen zu ermöglichen, den Bus zu verlassen". Nach Angaben der Gendarmerie rettete zudem der Fahrer eines unbeteiligten Fahrzeugs einige Insassen des Busses. Die Unfallstelle ist in der Region bekannt. "Das ist in einer gefährlichen Kurve der Gemeinde passiert", sagte der zweite Beigeordnete des Bürgermeisters von Puisseguin, Gérard Dupuy, dem Sender 'France Info'. Am gleichen Ort habe es bereits früher Unfälle gegeben.

Frankreichs Präsident François Hollande sprach von einer "furchtbaren Tragödie". "Wir sind tief traurig", sagte er am Rande seines Staatsbesuchs in Griechenland. Premier Manuel Valls und Innenminister Bernard Cazeneuve fuhren umgehend zum Unglücksort. Bundespräsident Joachim Gauck sprach Staatschef Hollande in einem Kondolenzschreiben seine Anteilnahme aus. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zeigte sich tief betroffen. "Die Meldungen über den schweren Verkehrsunfall in Puisseguin, der so vielen Menschen das Leben genommen hat, haben mich tief erschüttert", schrieb sie an Hollande. Papst Franziskus sei den trauernden Familien im Gebet und ihrem Schmerz nahe, hieß es in einem veröffentlichten Telegramm.

Es ist der schwerste Busunfall in Frankreich seit dem 31. Juli 1982. Damals starben bei Beaune 53 Menschen, darunter 44 Kinder. Im Jahr 2003 verunglückte am ungarischen Plattensee ein deutscher Reisebus - 33 Menschen wurden getötet.