„Ich versuche, immer zu lächeln und weiterzumachen“

Trauer in Hanau: So verarbeitet Kioskbesitzer Cenk den Tod seiner Mitarbeiter

03. März 2020 - 22:23 Uhr

Zwei von Cenks Mitarbeitern wurden bei dem Anschlag in Hanau erschossen

Es ist inzwischen fast zwei Wochen her, dass der Attentäter Tobias R. in Hanau zehn Menschen und sich selbst erschoss. Der Kioskbesitzer Christian-Davide "Cenk" Murcia Rodriguez verlor in der Nacht zwei seiner Mitarbeiter, die außerdem gute Freunde von ihm waren. Im Video erzählt er, wie er mit dem Verlust umgeht und wie er versucht, jetzt weiterzumachen.

Ein Mitarbeiter überlebte, weil er Zigarettenpause machte

Cenk kommt jeden Tag am Tatort vorbei – viele Hanauer haben dort Blumen abgelegt, Kerzen und Fotos aufgestellt, um an die Opfer zu erinnern. Er betreibt zwei Kioske in Hanau – beiden Läden stattete der Täter am Abend des 19. Februars einen Besuch ab. Den ersten Kiosk verließ er unverrichteter Dinge wieder, weil Cenks Mitarbeiter gerade eine Zigarettenpause machte.

Sein Mitarbeiter habe sich im Nebenraum eine Zigarette angezündet, als er die Türglocke hörte, erzählt der Kioskbesitzer im RTL-Interview. "Vom Spiegel parallel sieht man ja, wer reinkommt, und er hat nur gesehen, dass jemand eine Waffe hatte", sagt Cenk. Darum sei der Mitarbeiter nicht zur Theke gegangen, sondern versteckt im Nebenraum geblieben. Der Angreifer habe den Laden daraufhin wieder verlassen.

Cenk verlor bei dem Anschlag in Hanau zwei Mitarbeiter
Kioskbesitzer Cenk hat in der Terrornacht von Hanau zwei Mitarbeiter verloren.
© RTL

Kioskbesitzer nach dem Anschlag von Hanau: „Wir halten zusammen“

Cenks anderer Kiosk wird zum Tatort. Auch Mercedes und Gökhan, die in Cenks Kiosk arbeiteten, starben durch die Schüsse des Attentäters. Im zweiten Video erzählt der Kioskbesitzer, was in dem laden passierte.

Für Cenk geht es jetzt auch um seine Existenz. Er weiß nicht mehr, wie er seine Miete und die laufenden Kosten bezahlen soll, denn seit dem Anschlag ist nur noch einer seiner Läden offen. Das andere Kiosk wurde als Tatort von der Polizei für die Ermittlungen gesperrt. Cenk weiß auch noch nicht, ob er den Laden noch mal aufmachen kann, nachdem dort so viele Menschen ihr Leben verloren haben.

Am 4. März – genau zwei Wochen nach dem Anschlag findet in Hanau eine Trauerfeier für die Opfer statt. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Kanzlerin Angela Merkel haben sich angekündigt. Auch Cenk will wahrscheinlich hingehen. Er muss nun versuchen, den schweren Verlust zu verarbeiten. "Ich versuche, immer zu lächeln und weiterzumachen", erzählt er. "Ich empfinde gar keinen Hass", erzählt er. Im Gegenteil: Er und seine Freunde wären seit dem Anschlag noch enger zusammengerückt. "Wir halten zusammen", erklärt Cenk.