Jetzt will er einen Song aufnehmen, um an die Opfer zu erinnern

Trauer in Hanau: Rapper Azzi Memo verlor seinen Cousin und Freunde

04. März 2020 - 18:51 Uhr

Azzi Memo wuchs in Hanau auf

Der Hanauer Rapper Azzi Memo war zuhause, als er erfuhr, dass Schüsse gefallen waren. Bei einem rassistischen Anschlag am 19. Februar tötete Tobias R. zehn Menschen und dann sich selbst. Freunde riefen Azzi Memo an. "Mir wurde gesagt, dass hier jemand um sich schießen würde und ich ja zuhause bleiben sollte", erzählt er im RTL-Interview. Das tat er, doch dann erfuhr er, dass viele Menschen, die er gut kannte, in der Nacht ums Leben gekommen waren.

Eine Woche vor dem Anschlag war er selbst noch in der Hanauer Bar

Ferhat Unvar, der in der Shisha-Bar im Stadtteil Kesselstadt erschossen wurde, war ein Cousin des Rappers. Auch mit mehreren der anderen Todesopfer war Azzi Memo gut befreundet. "Das waren Leute, die ich kannte", erzählt er. In der Woche vor dem Anschlag war er selbst noch in der "Midnight Bar" in der Innenstadt, wo der Täter ebenfalls ein Blutbad anrichtete.

"Ich hab mich mit dem Sedat getroffen, wir haben ein bisschen gequatscht, gelacht", erinnert sich Azzi Memo. Doch nur eine Woche später ist nichts mehr wie vorher. Sedat Gürbüz, der Besitzer der "Midnight Bar", starb ebenfalls durch die Schüsse des Attentäters. "Dass er eine Woche später erschossen wird, hätte keiner erwartet", sagt Azzi Memo.

Opfer von Hanau dürfen nicht in Vergessenheit geraten

Am Mittwoch um 18 Uhr findet in Hanau die offizielle Trauerfeier für die Opfer des Anschlags statt. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Kanzlerin Angela Merkel haben sich angekündigt, um gemeinsam mit Angehörigen und Hanauer Bürgern der Opfer zu gedenken.

Auch Azzi Memo hatte das Gefühl, etwas tun zu müssen. "Ich bin ja selber aus Hanau. Ich bin in dieser Stadt groß geworden." Darum fühle er sich verpflichtet, etwas zu tun. Er plant nun zusammen mit anderen Rappern einen Charity-Song. So will er einen Beitrag leisten, "dass die Menschen, die hier ihr Leben verloren haben, nicht in Vergessenheit geraten", sagt er. Der Anschlag in Hanau "sollte ein Zeichen für uns alle sein, dass Rechtsextremismus noch existiert in Deutschland und dass wir dagegen angehen müssen".