41 Jahre im falschen Körper

Transsexueller Polizist traut sich endlich, als Mann zu leben - und fühlt sich frei wie Superman

13. Oktober 2021 - 11:01 Uhr

Sein Weg von der Frau zum Mann

Bis vor Kurzem war Leon Dietrich aus Hannover noch sehr unglücklich, denn er hat sich im falschen Körper gefühlt. Erst im Mai 2020 hat der Polizist sein Coming-Out - mit 41 Jahren! Bis dahin hat er noch als Frau gelebt, sich aber schon von klein auf als Mann gefühlt. Sein Coming-Out war ein Befreiungsschlag, beruflich wie privat.

Wie es dann war, als Mann und nicht mehr als Frau eine neue Liebe zu finden, erzählt Leon im Video.

Die Pubertät war die Hölle für Leon

Auf diesem Bild ist Leon als kleines Mädchen zu sehen. Es ist das einzige, das Leon kennt,  auf dem er ein Kleid trägt.
Auf diesem Bild ist Leon als kleines Mädchen zu sehen. Es ist das einzige, das Leon kennt, auf dem er ein Kleid trägt.
© RTL Nord

Leon Dietrich fühlte sich noch nie weiblich. Er kennt nur ein Foto von sich, auf dem er ein Kleid trägt. Damals heißt Leon noch Yasemin. Schon in jungem Alter rebelliert er, möchte gegen den Willen seiner Mutter ausschließlich Hosen tragen und wie ein Junge aussehen. "Natürlich fängt man da an, seine Identität zu entwickeln und sich wahrzunehmen als junger Mann", erklärt Leon im Interview mit RTL Nord. Seine Pubertät empfindet Leon als die Hölle. Er beginnt weite Kleidung zu tragen, bindet seine Brust ab und versteckt seine Weiblichkeit so gut es geht. Das funktioniert so gut, dass andere ihn für einen Jungen halten und Mädchen ihn attraktiv finden. "Das war schon toll", erzählt Leon. "Aber es war immer sehr anstrengend dagegen zu steuern und meiner Mutter klar zu machen, dass ich so nicht leben möchte und auch nicht kann."

Bei einem Thema bekommt Leon Gänsehaut

Noch als Frau beginnt Leon seine Ausbildung bei der Polizei. Erst im Alter von 41 Jahren traut er sich dann endlich den großen, lebensverändernden Schritt zu gehen: Er outet sich als transsexuell und beginnt eine Geschlechtsangleichung. Es ist ein Befreiungsschlag für ihn. "Ich nehme da immer das Beispiel von Superman, wenn der sein Hemd aufreißt und dann in seine Kluft schlüpft und dann losfliegt. Das ist ja ein Freiheitsgefühl. Ich bekomme Gänsehaut, wenn ich darüber spreche", erzählt Leon. Seine eigenen Erfahrungen nimmt er auch mit in den Dienst und hilft damit anderen.

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Leon setzt sich für mehr Diversität in der Polizei ein

Leon Dietrich ist Polizist in Hannover und ist Ansprechpartner für Lesben, Schwule, Bisexuelle, Trans- und Interidentitäten (LSBTI)
Leon Dietrich ist Polizist in Hannover und Ansprechpartner für Lesben, Schwule, Bisexuelle, Trans- und Interidentitäten (LSBTI)
© RTL Nord

Schon vor seinem Coming-Out ist Leon im Nebenamt als Ansprechpartner bei der Polizei tätig - und zwar für Lesben, Schwule, Bisexuelle, Trans- und Interidentitäten, kurz LSBTI. Mittlerweile geht Leon gar nicht mehr auf Streife, sondern arbeitet als Landeskoordinator und er verfolgt dabei große Ziele: Damit die Polizei Niedersachsen mehr Diversität zulässt, gibt er Schulungen, sensibilisiert für das Anderssein und versucht bei Problemen zu vermitteln. Besonders ein Aspekt liegt ihm am Herzen: "Für Kolleg*innen da zu sein, die ihr Coming-Out haben oder auch ihr Coming-In, das bedeutet man muss sich erstmal klar werden, was passiert da mit mir, wie weit bin ich, um heraus zu kommen" erklärt Leon. Bei diesem Prozess steht er den Personen unterstützend an der Seite, gibt ihnen Halt und Kraft.

Die richtigen Ansprechpartner auch für LSBTI-Personen

Auch für LSBTI-Personen, die eine Anzeige erstatten wollen, gibt es bei der Polizei Ansprechpartner. Wer beispielsweise Mobbing oder sogar Hass erfährt, kann sich Leon oder seinen Kollegen bei der Polizei anvertrauen. Für viele LSBTI-Personen ist das aber ein großer Schritt, erklärt Leon und spricht dabei wohl wie kaum ein anderer Polizist aus eigener Erfahrung: "Es ist nicht einfach, wenn man in einer Gesellschaft natürlich schon viel Diskriminierung erfahren musste, weil man liebt, wen man liebt, weil man so sein möchte, wie man sein möchte". (mba/cta)