10. Juli 2013 - 19:58 Uhr

Mädchen klemmte sich den Kopf zwischen Spielgerüst und Zimmerdecke ein

Als die kleine Faya Hilfe holte, war es bereits zu spät. Ihre Zwillingsschwester Fabronya war bereits bewusstlos, sie starb an ihren Verletzungen. Das Mädchen wurde nur zwei Jahre alt. Sie hat sich im März 2012 beim Spielen im Kindergarten an einem Klettergerüst stranguliert. Jetzt mussten sich der Gerätehersteller und ein TÜV-Vertreter jetzt vor dem Gericht in Ahaus wegen fahrlässiger Tötung verantworten. Es galt zu klären, in welchem Verhältnis Schuld und Strafe stehen.

Fabronya und ihre Zwillingsschwester Faya waren unzertrennlich. "Das Gefühl kann man nicht beschreiben. Tiefe Trauer, ein Teil aus unserem Leben ist weggerissen worden", beschreibt der Onkel der Mädchen seine Gefühle im Interview mit RTL. Fabronyas Mutter kann auch mehr als ein Jahr später noch nicht über den Unfall sprechen.

Das Unglück passierte letztes Jahr. Die kleine Fabronya kletterte im Kindergarten auf ein Holzgerüst. Dort blieb sie mit ihrem Kopf zwischen dem Holzgerüst und der Zimmerdecke stecken. Ihre Zwillingsschwester Faya holte eine Kindergärtnerin zur Hilfe - aber es war zu spät. Die Erzieherin berichtete vor Gericht unter Tränen, wie sie die Kleine fand, befreite und um das Leben ihres Schützlings kämpfte - vergeblich. Zu diesem Zeitpunkt war die Zweijährige schon zu lange ohne Bewusstsein.

Dabei gelten für Spielräume besonders strenge Sicherheitsbestimmungen. "Wenn man in so einem Raum ist, fühlt man sich natürlich in einer anderen Sicherheit und weiß, dass die Kinder dort auch eher mal allein spielen können. Auch kleine Kinder müssen die Welt erobern, müssen mal einen Schritt alleine gehen, müssen mal einen kurzen Augenblick ohne den direkten Blick der Mitarbeiterinnen sein", erklärte eine Angestellte des Kindergartens.

Bei den Angeklagten flossen die Tränen

Insgesamt mussten sich vier Männer vor Gericht verantworten. Auch bei ihnen liefen die Tränen, sie sind selbst Familienväter. Sie entschuldigen sich bei den Eltern. Ihre Stimme stockte ihnen, als sie um Entschuldigung baten. "Der Fehler wird von meinem Mandanten nicht bestritten und auch nicht beschönigt. Er gibt ihn zu. Dass das nun passiert ist, war für die Angeklagten ganz schrecklich. Sie waren gelähmt", sagte der Anwalt des Geschäftsführers. Der TÜV-Vertreter wurde freigesprochen, der Geschäftsführer des Gerüsteherstellers wurde zu einer Geldstrafe in Höhe von 16.500 Euro verurteilt, zwei Handwerker müssen jeweils 3.000 Euro zahlen. Das Gericht berücksichtigte ihr Bedauern. Der Geschäftsführer erhielt die höchste Strafe, weil bei ihm der Ausgang einer Fehlerkette lag, an deren Ende der Tod des Kindes stand.

"Aus Sicht der Nebenklage wäre es sicher erstrebenswerter gewesen, wenn der Geschäftsführer zu einer Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt worden wäre", stellte der Anwalt der Nebenklage fest. Aber auch das hätte die Trauer von Faronyas Familie wohl nicht gelindert. Ihre Zwillingsschwester Faya muss in Zukunft alleine spielen. "Wir haben ihr gesagt, dass Fabronya jetzt ein Engel im Himmel ist und von da auf uns aufpasst", erläuterte ihr Onkel. Faya aufwachsen zu sehen, gibt der Familie die Kraft, Fabronyas Tod verarbeiten zu können.