Alle Besucher waren illegal am See

17-Jähriger in Baggersee ertrunken: Rettungskräfte wurden auf dem Weg zum Einsatz beschimpft

In einer Kiesgrube in Groß-Rohrheim ist ein 17-Jähriger ertrunken.
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11. August 2020 - 9:15 Uhr

Menschen, die gar nicht vor Ort hätten sein dürfen, behinderten die Retter

In Groß-Rohrheim bei Darmstadt ist ein 17-Jähriger in einer Kiesgrube ertrunken. Rainer Bersch ist Bürgermeister der Gemeinde und war als Feuerwehrmann als einer der ersten an der Unglücksstelle. Nachdem bei der Wache die Meldung einging, dass eine Person im Wasser vermisst werde, machte er sich sofort auf den Weg zum Baggerloch. Er wusste, in so einer Situation zählt jede Sekunde. Doch die Rettungskräfte wurden von anderen illegalen Badegästen auf dem Weg zum Einsatz massiv behindert.

Bürgermeister Rainer Bersch
Bürgermeister Rainer Bersch ist Feuerwehrmann und war als einer der ersten vor Ort.
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Baden ist in der Kiesgrube strikt verboten

Das Baden in der Kiesgrube in Groß-Rohrheim ist eigentlich streng verboten. An der einzigen Zufahrtstraße zum See ist das auch mit Verbotsschildern eindeutig gekennzeichnet. Eigentlich darf dort niemand unbefugtes mit dem Auto lang fahren oder parken. Der Betreiber hat außerdem Zäune aufgestellt und Meterhohe Erdwälle aufgeschüttet, um die Menschen davon abzuhalten, sich in Gefahr zu bringen. Denn die Kiesgrube ist in Betrieb und das Baden dort lebensgefährlich.

Besonders im Sommer wird das Badeverbot aber nicht so ernst genommen. "Das wird zu 100 Prozent ignoriert", erzählt Bürgermeister Bersch im RTL-Interview. Darum drängten auch bei der Hitze an diesem Wochenende wieder viele illegale Badegäste an den See. Der Kreisverband der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) beklagte bei Facebook die wildparkenden Autos hätten den Rettungseinsatz massiv behindert.

Massenauflauf auf der einzigen Zufahrtsstraße zum Baggersee

Bersch, der mit einem Lastwagen der Feuerwehr zur Unglücksstelle fuhr, berichtet, dass die Autos eigentlich nicht das größte Problem gewesen wären. Sie seien so geparkt gewesen, dass er auch mit dem großen Fahrzeug noch halbwegs durchkam. Was ihn ausbremste, waren die Badegäste, die zu Fuß zum See liefen oder von dort zurückkamen und die Straße blockierten.

Er habe sich mit einigen Passanten "unschöne, unnötige Diskussionen" geliefert. Die Leute hätten ihn gefragt, ob das Ganze ein Übungseinsatz wäre, obwohl er mit Blaulicht und Sirene angefahren kam. Andere Leute erklärten ihm, sie wüssten nicht, wohin sie ausweichen sollten obwohl links und rechts des Weges genug Platz gewesen wäre. Dass sie sich alle eigentlich gar nicht auf dem Betriebsgelände hätten aufhalten dürfen, schien die wenigsten zu interessieren. Hatte der Bürgermeister den Eindruck. Er habe nach dem Einsatz auch noch ein paar falschparkenden Autos fotografiert, um ihnen über das Ordnungsamt Strafzettel auszustellen. Auch dabei wurde Bersch wüst beschimpft.

Betreiber glaubt, dass durch Corona mehr Menschen zum See kommen

Auch Christoph Kopper, der Geschäftsführer des Kieswerks zeigte sich nach dem tödlichen Badeunfall erschüttert. "Als Nichtschwimmer in einen Baggersee zu gehen – das ist ja gar kein Badesee – macht mich fassungslos", sagte er im RTL-Interview. Besonders in diesem Jahr sei der Andrang trotz des Verbots an der Kiesgrube besonders groß. Viele würden wegen der Corona-Situation nicht in den Urlaub fahren und die Schwimmbäder würden nur begrenzt Gäste einlassen. "Das spüren wir", erklärt er.

Er weiß auch nicht, was er zusätzlich zu den Schildern, den Zäunen und Wällen noch unternehmen soll, um die Menschen vom Baden im See auf dem Betriebsgelände seiner Firma abzuhalten. Er bat noch einmal darum, dem See fernzubleiben.

Um kurz vor 16 Uhr meldete ein Freund des verunglückten der Polizei, dass der 17-Jährige im See untergegangen sei. Er konnte ihm nicht helfen, weil er selber nicht schwimmen konnte. Nach Polizeiangaben zogen die Retter den leblosen Körper des Ertrunkenen gegen 16:30 Uhr aus dem Wasser, Reanimationsversuche blieben erfolglos.