Großbritannien ist raus aus der EU

Tränen, Wehmut und Champagner: So lief die Brexit-Nacht

01. Februar 2020 - 9:49 Uhr

Es ist vorbei, bye-bye

Der Brexit ist durch. Seit Mitternacht ist Großbritannien nicht mehr Teil der Europäischen Union. Jetzt hat die Regierung in London noch elf Monate Zeit, um mit Brüssel die künftigen Beziehungen auszuhandeln. Die Briten selbst sind in Sachen EU-Austritt bis zuletzt gespalten: Während die eine Seite trauerte, ließen es die Brexit-Fans so richtig krachen.

Nigel Farage: "Der Krieg ist vorbei, wir haben gewonnen."

31.01.2020, Großbritannien, London: Nigel Farage, Vorsitzender der Brexit-Partei, schüttelt einem Anhänger die Hand. Mehr als dreieinhalb Jahre nach dem Brexit-Votum der Briten hat Großbritannien die EU am 31.01.2020 um 24.00 Uhr (MEZ), 23 Uhr Ortsze
"Der Krieg ist vorbei, wir haben gewonnen", so Nigel Farage.
© dpa, Frank Augstein, hjb fgj

Bis in die Nacht hinein feierten mehr als 5.000 Brexit-Befürworter vor dem Parlament in London den Abschied aus der EU, der ihr Land 47 Jahre lang angehört hatte. Sie stimmten patriotische Lieder an, schwenkten britische Fahnen, ließen Feuerwerksraketen aufsteigen und Champagnerkorken knallen. "Wir sind frei", sagte der 53-jährige Tony Williams. "Das ist ein fantastischer Tag."

Nigel Farage, einer der prominentesten Brexit-Verfechter, rief der Menge zu, dies sei der wichtigste Moment in der jüngeren Geschichte des Landes. "Der Krieg ist vorbei, wir haben gewonnen."

Downing Street hält die Party klein

 BBC Political editor Laura Kuenssberg watches as the clock counted down to 00:00 as it was projected onto Number 10 Downing Street in Whitehall on the day the UK finally leaves the European Union today at 11.00pm, after a 2016 referendum saw the maj
Im Regierungssitz Downing Street wurde mit englischem Schaumwein angestoßen.
© imago images/Paul Marriott, Paul Marriott via www.imago-images.de, www.imago-images.de

Sichtbare Gegenproteste aus den Reihen der Millionen Briten, die im Juni 2016 beim Brexit-Referendum für einen Verbleib in der EU gestimmt hatten, gab es keine. Auch die offiziellen Feierlichkeiten wurden schlank gehalten. Kein Feuerwerk, kein Kanonendonner, nicht einmal das Londoner Wahrzeichen Big Ben läutete zum Abschied der Briten. Das lehnte die Regierung trotz Forderungen von Brexit-Hardlinern ab. Im Regierungssitz Downing Street wurde mit englischem Schaumwein angestoßen, nachdem eine auf das Gebäude projizierte Uhr den Countdown bis zum Austritt angezeigt hatte.

Hintergrund für die Zurückhaltung war die fortdauernde Spaltung des Landes, wie Premierminister Boris Johnson zugab. Jüngsten Umfragen zufolge lehnen 53 Prozent der britischen Wähler den EU-Austritt inzwischen ab. In einer Rede an die Nation, die am Abend im Internet veröffentlich wurde, kündigte Johnson an, den EU-Austritt zu einem "unfassbaren Erfolg" zu machen. Der Brexit sei kein Ende, sondern ein Anfang: "Es ist ein Moment der echten nationalen Erneuerung und des Wandels." Seine Aufgabe sei es nun, das Land zu einen und voranzubringen.

Wehmut in Brüssel

In Brüssel selbst war deutlicher Wehmut zu spüren, dennoch war der Blick nach vorne gerichtet. Großbritannien bleibt noch bis Ende des Jahres in einer Übergangsphase, in der sich in der Alltagspraxis kaum was ändert. Bis dahin wollen beide Seiten ein Abkommen über die künftigen Beziehungen aushandeln.

31.01.2020, Belgien, Brüssel: Mitglieder des Protokolls entfernen die Flagge des Vereinigten Königreichs aus dem Atrium des Europagebäudes. Mehr als dreieinhalb Jahre nach dem Brexit-Referendum ist Großbritannien ab dem 31.01.2020 (24 Uhr MEZ) kein M
Die Flagge des Vereinigten Königreichs wird aus dem Atrium des Europagebäudes entfernt.
© dpa, Olivier Hoslet, VM esz nwi

"Wir gehen in diese Verhandlungen in dem Geist, dass alte Freunde einen neuen Anfang suchen", sagte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen bei einem gemeinsamen Auftritt mit EU-Ratschef Charles Michel und Parlamentspräsident David Sassoli am Freitag. Mit gutem Willen werde man eine "dauerhafte, positive und sinnvolle Partnerschaft". Aber: "Ohne gleiche Wettbewerbsbedingungen bei Umwelt, Arbeit, Steuern und staatlichen Beihilfen kann es keinen qualitativ uneingeschränkten Zugang zum Binnenmarkt geben."