"Kein Respekt, keine Unterstützung" - Hinterbliebene des Berliner Anschlags kritisieren Merkel in offenem Brief

Steht im Mittelpunkt der Kritik durch die Hinterbliebenen des Berliner Weihnachtsmarkt-Anschlags: Kanzlerin Merkel
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02. Dezember 2017 - 13:44 Uhr

Hinterbliebene werfen Merkel Versagen vor

Die Angehörigen der zwölf Todesopfer beim Terroranschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt haben Angela Merkel Versagen vorgeworfen. In einem offenen Brief schrieben sie der Kanzlerin, der Anschlag am Breitscheidplatz sei auch eine tragische Folge der politischen Untätigkeit der Bundesregierung. Der 'Spiegel' zitiert aus dem Brief. 

Angehörige: Wo bleibt die Unterstützung?

Die Rede ist von "mangelhafter Anti-Terror-Arbeit", die alarmierend sei. In einer Zeit, in der die Bedrohung durch Islamisten zugenommen habe, sei versäumt worden, "die Reformierung der wirren behördlichen Strukturen" voranzutreiben.

Die Angehörigen monierten auch, dass sie nach dem Anschlag am 19. Dezember 2016 nicht genügend vom Staat unterstützt worden seien. "Es ist unsere konkrete Erwartung an Sie, Frau Bundeskanzlerin, dass die Bundesrepublik unseren Familien unbürokratisch und umfassend hilft", hieß es.​

Merkel habe nicht persönlich kondoliert: "Frage des Respekts“

Die Unterstützung bleibe weit hinter den Erwartungen zurück. Die Angehörigen bemängeln außerdem, dass Merkel auch fast ein Jahr nach dem Anschlag weder persönlich noch schriftlich kondoliert habe. "Es ist eine Frage des Respekts, des Anstands und eigentlich eine Selbstverständlichkeit, dass Sie als Regierungschefin im Namen der Bundesregierung unseren Familien gegenüber den Verlust eines Familienangehörigen durch einen terroristischen Akt anerkennen."

Sprecher verteidigt Merkel: "Ist uns sehr wohl wichtig“

Ein Regierungssprecher verwies darauf, dass Merkel schon am Tag nach dem Anschlag den Tatort besucht und sich "umfassend über den Tathergang" informiert habe. Und: dass sie vor gut einem Jahr an einem ökumenischen Gedenkgottesdienst teilgenommen habe. Es sei der gesamten Bundesregierung wichtig, dass die Opfer und deren Familien "in ihrer oftmals verzweifelten menschlichen Lage möglichst gut begleitet und beraten werden", sagte der Sprecher.

Merkel will Angehörige im Kanzleramt treffen

Bilder des Tages December 20, 2016 - Berlin, GERMANY - German Chancellor Angela Merkel signs the condolence book at the Memorial Church in Berlin, Germany, Tuesday Dec. 20, 2016, one day after a truck ran into a crowded Christmas market in Berlin and
Angela Merkel schreibt am 20. Dezember 2016 kurz nach dem Anschlag auf dem Berliner Weihnachtsmarkt ins Kondolenzbuch.
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Nach seinen Angaben will sich Merkel am 18. Dezember mit Angehörigen der Todesopfer sowie Verletzten im Kanzleramt treffen. Einen Tag vor dem Gedenken, das der Berliner Senat plant. Sie will außerdem an der Einweihung eines Berliner Mahnmals für die Opfer am ersten Jahrestag des Anschlags teilnehmen und den Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz besuchen.