Traditionelles Benefiz-Dinner: Buh-Rufe für Donald Trump im Waldorf Astoria

21. Oktober 2016 - 10:24 Uhr

Eigentlich soll die Schärfe aus dem Wahlkampf genommen werden

Das alljährliche Benefiz-Dinner der New Yorker Alfred-E.-Smith-Memorial-Foundation zugunsten katholischer Kindereinrichtungen ist legendär. In den Jahren des US-Präsidentschaftswahlkampfes ist die Veranstaltung bekannt dafür, dass die beiden Kandidaten die Schärfe aus dem Wahlkampf nehmen und sich in ihren Tischreden mit Scherzen duellieren. Dass dabei auch mal ein peinlicher oder flacher Witz fällt, bleibt nicht aus. Nicht jeder Präsidentschaftskandidat ist ein geborener Komiker.

Wie würde es dieses Jahr werden, wenn Hillary Clinton und Donald Trump miteinander am Tisch des Erzbischofes von New York sitzen, vor allem nach dem bisher heftig ausgetragenen Wahlkampf zwischen den beiden Kandidaten?

Niemand weiß, ob Donald Trump einer derjenigen ist, die nicht zum Komiker geboren sind, oder ob er bewusst einmal mehr über das Ziel hinausgeschossen ist – die Reaktion auf einige Passagen seiner Rede war jedoch neu. "Sie ist korrupt, sie wurde sogar aus dem Watergate- Untersuchungsausschuss geworfen", sagte Trump in Anspielung auf eine seit langer Zeit kursierende, aber nie bestätigte Verschwörungstheorie. Die Quittung waren Buhrufe der Bankett-Gäste. US-Beobachter konnten sich nicht erinnern, dass jemals zuvor ein Redner bei der Traditionsveranstaltung im noblen Waldorf Astoria-Hotel ausgebuht wurde.

Democratic U.S. presidential nominee Hillary Clinton (R) reacts to a joke by Republican U.S. presidential nominee Donald Trump (L) at the Alfred E. Smith Memorial Foundation dinner in New York, U.S. October 20, 2016. REUTERS/Jonathan Ernst     TPX IM
Die US-Präsidentschaftskandidaten Donald Trump und Hillary Clinton bei dem traditionsreichen Benefiz-Dinner.
© REUTERS, JONATHAN ERNST, JE/HH

Gleich zu Beginn seiner Tischrede verglich sich der republikanische Präsidentschaftskandidat mit Jesus. Auch er sei "nur ein einfacher Zimmermann, der für seinen Vater gearbeitet habe", sagte er. Doch rasch kamen die Angriffe auf seine Konkurrentin - Clinton sei eine versteckte Katholiken-Hasserin, sagte Trump. Er verstehe nicht, wie jemand, der so korrupt sei, sich für das höchste Amt im Staat bewerben könne. Vom Publikum wurden diese Aussagen nicht goutiert, wie die 'New York Times' berichtete.

Die meisten Lacher konnte Trump auf seine Seite ziehen, als er einen Witz auf Kosten seiner Frau Melania machte: "Michelle Obama hielt eine Rede und alle sagten, die sei großartig", sagte Trump. "Melania hielt exakt dieselbe Rede, und wird kritisiert. Ich verstehe es nicht", sagte er in Anspielung auf Parteitagsrede seiner Frau, die in Teilen ein Plagiat war.

"Normalerweise nehme ich viel Geld für solche Reden"

Clinton hielt sich mehr zurück und übte sich in Selbstironie. "Das ist hier ein Geschenk für Sie - normalerweise nehme ich viel Geld für solche Reden", sagte sie eingangs ans Publikum gerichtet, den Vorwurf ihrer Kritiker, sie lasse sich von Wall-Street-Bossen für Reden bezahlen, aufs Korn nehmend. "Ich sage immer, was die Leute hören wollen", betonte sie und schickte hinterher: "Diese Wahl wird sehr bald vorüber sein."

Auch sie nahm ihren Konkurrenten aufs Korn - Trump übersetze auf seinen Telepromptern "aus dem russischen Original". Auch Trumps Aussagen über Frauen brachte sie ins Spiel: Für die meisten US-Amerikaner sei die Freiheitsstatue in New York ein Symbol der Hoffnung und ein Willkommensgruß an Einwanderer. Trump hingegen sehe in Lady Liberty eine Vier auf der Attraktivitäts-Skala. "Vielleicht eine Fünf, wenn sie die Fackel und Tafel loswird und sich eine neue Frisur zulegt."