Spannender Kampf von sechs Fahrern um die Spitze

Tour de France: Fährt Emanuel Buchmann auf das Podest?

23. Juli 2019 - 16:35 Uhr

Wer macht das Rennen?

Spannung pur bei der Tour! Die 106. Tour de France nähert sich dem Ziel Paris - und an der Spitze des Fahrerfeldes kristallisiert sich eine Gruppe von sechs Fahrern heraus, die den Tour-Sieg wohl unter sich ausmachen wird. In der Gesamtwertung sind die Top 6 nur 2:14 Minuten auseinander. So eng war es lange nicht mehr. Erfreulich aus deutscher Sicht: Mit Emanuel Buchmann fährt erstmals seit Andreas Klöden vor 13 Jahren wieder ein Deutscher vorne mit. Im exklusiven Interview verrät der 26-Jährige, wie er mit der großen Aufmerksamkeit umgeht und was er sich für die restlichen Etappen vorgenommen hat.

Buchmann fährt klammheimlich nach vorne

Seit den Tagen von Jan Ullrich und Andreas Klöden warten die deutschen Radsport-Fans auf einen starken Rundfahrer. Der 26-jährige Emanuel Buchmann aus dem deutschen Team Bora-hansgrohe scheint diese Sehnsucht endlich zu stillen. Klammheimlich, unauffällig und ohne großes Spektakel fährt der Ravensburger bei dieser Tour vorne mit. Vor dem Tour-Start rief er eine Top-10-Platzierung als Ziel aus - die scheint er jetzt sogar zu toppen.

Mit nur 2:14 Minuten Rückstand liegt er derzeit auf Platz sechs. Eine gute Ausgangsposition vor den anstehenden Alpen-Etappen. Schon in den Pyrenäen machte der medial zurückhaltende Buchmann einen starken Eindruck und ließ sich nur selten abschütteln. Am Tourmalet, einem legendären Berg der Tour, griff er kurzzeitig sogar an, wurde am Ende starker Vierter.

Ullrich adelt Buchmann: "Hat das Zeug zum Champion"

Durch seine guten Leistungen rückt die neue deutsche Radsport-Hoffnung mehr in den Fokus. Sogar Ullrich ist begeistert. "Dass er sich jedoch so im Kreis der Favoriten hält und auch beim Zeitfahren seine Klasse beweist, zeigt, dass er das Zeug zu einem echten Champion hat", sagte der einzige deutsche Tour-de-France-Sieger (1997) der Bild.

Buchmann selbst gibt sich gewohnt nüchtern. An seiner Zielsetzung ändert sich nichts: "Ich habe meine Leistung wie erhofft abgerufen. Aber die Top 10 sind immer noch das Ziel. Klar wäre es schön, wenn es mehr wird, aber mit den Top 10 wäre ich zufrieden."

Franzosen dominieren auf heimischem Terrain

Allerbeste Chancen auf den Tour-Sieg hat derzeit Julian Alaphilippe als Führender im Gelben Trikot. Der Franzose holte in diesem Jahr schon zwei Etappensiege. Radsport-Experten sind überrascht von den konstanten Leistungen des 27-Jährigen, schließlich gehört er eigentlich nicht zu den besten Bergfahrern, die ihre Leistungen konstant über drei Wochen abrufen können. Alaphilippe hat 1:35 Minuten Vorsprung auf Platz zwei, den Titelverteidiger Geraint Thomas belegt.

Der Brite offenbart in diesem Jahr überraschende Schwächen am Berg und wirkt nicht so souverän wie im Vorjahr. Dahinter liegt der Niederländer Steven Kruijswijk auf Rang drei. Den starken Kletterer trennen 1:47 Minuten von Platz eins.

Pinot und Buchmann in Lauerstellung

Auf Platz vier rangiert mit Thibaut Pinot ein ganz heißer Favorit auf den Tour-Sieg. Der Franzose scheint in den Bergen der stärkste Fahrer zu sein, gewann sensationell die schwere Bergankunft am Tourmalet. Sein Rückstand beträgt 1:50 Minuten - damit ist er vor den Alpen in Lauerstellung.

Noch vor Buchmann auf Platz fünf liegt Thomas' Teamkollege Egan Bernal. Der erst 22-jährige Kolumbianer zählt jetzt schon zu den besten Kletterern. Allerdings fehlt ihm noch die große Erfahrung. Womöglich ein entscheidender Nachteil im Kampf um den Tour-Sieg.

Einer dieser sechs Fahrer wird vermutlich das Gelbe Trikot bis auf die Champs-Élysées in Paris tragen, wo die Tour am 28. Juli endet. Vielleicht mit Buchmann auf dem Podest.