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Tour de France: Radprofi fährt mit gebrochenem Schulterblatt - für den guten Zweck

Lawson Craddock
Lawson Craddock stürzte auf der ersten Etappe schwer © imago/Panoramic International, Vincent Kalut, imago sportfotodienst

Blutüberströmt und von Schmerzen gezeichnet

Es ist bewundernswert. Und es tat einem selbst beinahe körperlich weh, als man die Bilder im Fernsehen sah. Auf der ersten Etappe der Tour de France stürzte der US-Profi Lawson Craddock, dennoch rappelte er sich wieder auf, schnappte sich sein Rad und fuhr weiter. Wie sich später herausstellte, hatte er sich das Schulterblatt gebrochen. Aufgeben kommt für ihn nicht infrage - denn er fährt für einen sehr guten Zweck. 

"Mental ist es schwerer als körperlich"

Das Gesicht blutüberströmt und offensichtlich von Schmerzen geplagt. So liegt Craddock auf der ersten Etappe des größten Radrennens der Welt am Boden. Schluss mit der Tour. Eigentlich. Nicht für Craddock. Denn der 26-Jährige vom Team Education First sammelt über ein Spendenkonto Geld für das Alkek Velodrome in Houston, das durch den Hurrikan Harvey im Spätsommer 2017 schwer beschädigt wurde. 100 Dollar spendet er selbst pro beendeter Etappe. "Bis heute sind schon 30.000 Dollar zusammengekommen", sagt Craddock stolz. 

​Also saß er auch bei der zweiten Etappe wieder im Sattel, ebenso bei der dritten, dem Teamzeitfahren, und das in einer Position, von der man sich sicher sein kann, dass der Mann enorme Schmerzen gehabt haben muss. Aufgeben? Gibt's nicht. "Mental ist es schwerer als körperlich. Ich werde versuchen, positiv zu bleiben, den Schmerz so gut ich kann zu bewältigen", sagte Craddock. Über den sportlichen Sinn kann man streiten, mit rund acht Minuten Rückstand erreichte Craddock an den ersten beiden Tagen jeweils das Ziel. Viel holen kann er bei der Tour nicht mehr, abgeschlagen belegt er den letzten Platz der Gesamtwertung.

"Held des Tages"

Aber der symbolische Wert ist umso höher. "Held des Tages", twitterte sein belgischer Teamkollege Sep Vanmarcke. Ganz zu schweigen von Craddocks erfolgreich angelaufener Spendenaktion.

"Als Profi willst du immer weiterfahren, da müssen sie dich schon vom Rad holen"

Bewunderung erhält er auch von deutschen Ex-Profis wie Rolf Aldag und Jens Voigt, sie können mitfühlen und nachvollziehen, was ihn treibt: "Als Profi willst du immer weiterfahren, da müssen sie dich schon vom Rad holen. Du hast dich monatelang vorbereitet, die ganze Welt schaut zu. Die Fahrer sind im Tour-Tunnel", sagte Aldag. Voigt meinte: "Er wird hoffen, in zehn Tagen schmerzfrei zu sein, um dann die Tour zu beenden."

Die Berge warten ...

Das könnte gerade in den noch kommenden Bergetappen in den Pyrenäen und den Alpen hart werden. Drücken wir dem tapferen Burschen also die Daumen, dass es für ihn bis ins Ziel nach Paris reicht. Bis dahin hat Held Craddock allerdings noch über 2.500 Kilometer vor sich ... 

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