Garant für den Mercedes-Erfolg

Toto Wolff: Der penetrante Perfektionist

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14. Oktober 2019 - 18:16 Uhr

Von Martin Armbruster

Mit Platz 1 und 3 beim Großen Preis von Japan in Suzuka hat Mercedes den sechsten Konstrukteurs-Titel in Folge eingetütet. Der "monumentale" Erfolg der Silberpfeile hat viele Gründe. Einer: Teamchef Toto Wolff.

Wolff lebt nicht in der Stunde des Erfolgs

Wer ergründen möchte, warum Mercedes seit sechs Jahren alles gewinnt, was es in der Formel 1 zu gewinnen gibt, sollte sich vielleicht noch einmal Toto Wolffs Reaktion auf Lewis Hamiltons WM-Triumph 2018 in Mexiko zu Gemüte führen.

Eben erst hatte der Brite mit einem 4. Platz seinen fünften Titel gewonnen, ein Anlass zum Jubeln sollte man meinen. Nicht so für Wolff. Der Österreicher regte sich vielmehr über die Performance von Hamiltons Silberpfeil auf.

"Ich habe Lewis am Funk nicht einmal gratuliert, weil ich so sauer über unsere Leistung bin. Ich muss mich erst sammeln", polterte Wolff. Der Triumph des Briten interessierte den Mercedes-Motorsportchef in der Stunde des Erfolgs nicht die Bohne. Wolff wollte wissen, was mit Hamiltons Auto los gewesen war, warum die Reifen nicht funktionierten, warum Hamilton keine Chance auf den Rennsieg hatte.

Streber und chronischer Tiefstapler

Gewiss: Vielen Formel-1-Fans dürfte der "streberhafte" Wolff (so Wolff) auf die Nerven gehen – vor allem mit seinem chronischen Understatement, wenn Mercedes den Rest der F1-Welt mal wieder zu Statisten degradiert.

Und doch ist es eben Wolffs Perfektion-Penetranz, die aus dem Mercedes-Werksteam schon jetzt eines der erfolgreichsten Teams der F1-Geschichte gemacht hat. Wolff verlangt von sich und jedem einzelnen Mitarbeiter das Maximum. Immer. Bei jedem Rennen. Auch, wenn schon ein 4. Platz zum Titel reicht.

Erfolgsdenken und Ehrgeiz wie einst bei Schumacher und Ferrari

Wird das Maximum nicht rausgeholt, die angestrebte Perfektion nicht erreicht, ist Wolff stinkig. Zu spüren bekommen das bisweilen die Mitarbeiter an der Strecke und im Formel-1-Werk der Silbernen in Brackley. Man pflege intern eine sehr klare Sprache, hört man von und über Mercedes im Fahrerlager immer wieder. Heißt: Wenn irgendetwas nicht nach Plan läuft, scheppert es beim Seriensieger. Was war und gewonnen wurde zählt nicht.

Penetrante Perfektion. Anders kann man in einem detailversessenen Sport wie der Formel 1 seine Erfolge wohl nicht Jahr für Jahr wiederholen. Nie nachlassen, sich nie ausruhen, immer weiter, immer weiter. Die Ferrari-Ära Michael Schumachers stand auf dem gleichen Fundament.

Den nächsten Titel schon im Kopf

Mit dem sechsten Konstrukteurs-Titel in Serie hat Mercedes die Ferrari-Bestmarke (sechs Hersteller-Titel in Folge von 1999 bis 2004) schon eingestellt. Die Mercedes-Kontrahenten aus Maranello müssen sich für 2020 dringend etwas einfallen lassen, damit der Rekord ein geteilter bleibt. Denn die von ihrem 'Leitwolff' getriebene Mercedes-Truppe schraubt schon längst an WM-Projekt Nummer 7.