Toter bei Protesten gegen Koran-Verbrennung

© dpa, Steve Johnson

12. September 2010 - 10:50 Uhr

Sind bereit "Söhne, Väter und Mütter zu opfern"

Nach der angekündigten Koran-Verbrennung in den USA kam es in Afghanistan zu schweren Unruhen. In verschiedenen Landesteilen gingen tausende wütende Gläubige nach den Gebeten zum Ende des Fastenmonats Ramadan auf die Straße. Vor einem von der Bundeswehr geführten Nato-Stützpunkt in der nordafghanischen Provinz Badachschan soll bei schweren Krawallen ein Demonstrant erschossen worden sein.

Einige aus der Menge hätten Steine auf die von der Bundeswehr geleitete Basis geworfen, sagte die Provinzregierung. Der Sprecher der Provinz Badachschan, Mohammad Amin Sohail, sagte, afghanische Polizisten hätten das Feuer eröffnet. Bei den Protesten seien bis zu 10.000 Menschen zusammengekommen.

Von der Bundeswehr gab es keine Bestätigung des Todesfalls. Acht Demonstranten seien verletzt worden, sagte ein Sprecher des Bundeswehr-Einsatzführungskommandos in Potsdam. "Von einem Toten ist uns nichts bekannt. Das können wir nicht bestätigen."

Der Demonstrant Maulawi Mohammad Ismail sagte, der Protest sei zunächst friedlich verlaufen. Demonstranten hätten "Tod für Amerika", "Tod für die Feinde des Islam" und "Der Heilige Koran ist unser Gesetz" skandiert.

Auch in weiteren Provinzen gab es Demonstrationen gegen die angekündigte Koran-Verbrennung. "Wenn sie das tun, werden wir amerikanische Stützpunkte angreifen und die Straßen dichtmachen, über die die amerikanischen Truppen versorgt werden", sagte der Kleriker Sahidullah in Nangahar. Bei einer Predigt in Kabul erklärte ein Geistlicher, die Muslime seien bereit "ihre Söhne, Väter und Mütter für den Islam und den Koran zu opfern". Die Gläubigen antworteten mit "Gott ist groß"-Rufen.

Tochter des Pastors: "Er ist verrückt"

US-Präsident Barack Obama hat den radikalen US-Pastor Terry Jones noch einmal eindringlich vor den Folgen einer Koran-Verbrennung gewarnt. Der Fanatiker aus Florida hatte nach einem Anruf von US-Verteidigungsminister Robert Gates zwar seinen Verzicht auf die weltweit kritisierte Aktion am neunten Jahrestag der Anschläge vom 11. September erklärt. Aber dann sorgte er mit mehrdeutigen Äußerungen und Ankündigungen für anhaltende Verwirrung. Seine in Deutschland lebende Tochter hält ihren Vater für "verrückt" und meint, er brauche Hilfe.

Obama sagte in Washington, Aktionen wie die Drohungen des Pastors gefährdeten US-Truppen im Ausland. Mit deren Sicherheit "spielt man nicht", sagte Obama. Der Präsident rief die Nation zu religiöser Toleranz auf. "Wir befinden uns nicht im Krieg mit dem Islam. Wir befinden uns im Krieg mit Terrororganisationen, die den Islam verfälscht oder das Banner des Islams benutzt haben, um ihre zerstörerischen Aktionen durchzuführen."

Jones hat die geplante Koran-Verbrennung zum Jahrestag der Anschläge vom 11. September erneut abgesagt. "Wir ziehen ganz ernsthaft, ernsthaft, ernsthaft nicht in Erwägung, den Koran zu verbrennen", sagte vor Journalisten. sagte Terry Jones von der Christengruppe Dove World Outreach Center vor Journalisten.

Zuvor hatte er dem Fernsehsender 'ABC' bereitsgesagt: "Im Augenblick planen wir, es nicht zu tun." Er gehe davon aus, sich in New York mit einem Imam der muslimischen Gruppe zu treffen zu können, die den Bau eines Islamzentrums nahe dem zerstörten World Trade Center plant. "Wir glauben, dass der Imam sein Wort halten wird."

Jones hatte die Aktion schon einmal abgesagt. Ihm sei versichert worden, das umstrittene Zentrum mit Moschee werde nicht mehr so nahe am Ground Zero gebaut. Die beteiligten Muslime zeigten sich überrascht. Jones widerrief später seine Absage.

Der Pastor einer Kirchengemeinde mit nur 50 Mitgliedern, hatte die Koran-Verbrennung aus Anlass des Jahrestages der Terroranschläge auf die USA angesetzt und damit Empörung in aller Welt ausgelöst.