Tote und Verletzte beim ukrainischen Anti-Terror-Einsatz gegen Separatisten

25. April 2014 - 10:54 Uhr

Minister Awakow: "Möge Gott mit uns sein"

Tote und Verletzte in der Ost-Ukraine, die Lage eskaliert und die schlimmsten Befürchtungen scheinen sich zu bewahrheiten. Beim Einsatz ukrainischer Sicherheitskräfte gegen pro-russische Demonstranten im Osten des Landes gab es offiziellen Angaben zufolge "Tote und Verletzte auf beiden Seiten". Innenminister Arsen Awakow teilte auf seiner Facebook-Seite mit, bei den Zusammenstößen in der Stadt Slawjansk seien ein Mitglied der Sicherheitskräfte getötet und fünf weitere verletzt worden. Unter den Separatisten habe es eine nicht bekannte Zahl von Opfern gegeben.

Lage in der Ost-Ukraine spitzt sich zu Anti-Terror-Einsatz gegen Separatisten
Die Regierung in Kiew schickt Spezialkräfte in die ost-ukrainische Krisenregion.
© dpa, Anastasia Vlasova

Die ukrainischen Sicherheitskräfte waren erstmals gegen verschanzte pro-russische Separatisten eingeschritten, der Minister sprach von einem "Anti-Terror-Einsatz" in der Krisenregion. "Es wurden Kräfte aus allen Landesteilen herangezogen. Möge Gott mit uns sein", hatte Awakow mitgeteilt. Seit Tagen halten zum Teil bewaffnete Demonstranten Behördengebäude in mehreren Städten im Osten der Ukraine besetzt. In Slawjansk waren das Polizeipräsidium sowie die Geheimdienstzentrale besetzt worden.

Die Aktivisten hätten ohne Vorwarnung das Feuer auf die Regierungskräfte der Ex-Sowjetrepublik eröffnet, so Awakow. Er warf den Separatisten vor, Zivilisten als lebende Schutzschilde zu missbrauchen. Detaillierte unabhängige Berichte gab es zunächst nicht. Augenzeugen zufolge stand Rauch über der Stadt - die Demonstranten hätten Barrikaden aus Autoreifen angezündet, hieß es. Schützenpanzer der Regierungseinheiten versperrten Zufahrten. Über der Stadt mit mehr als 100.000 Einwohnern kreisten Militärhubschrauber. Ein Sprecher der Separatisten sagte dem russischen Staatsfernsehen, die Aktivisten würden nicht aufgeben. Awakow rief Zivilisten auf, "sich aus dem Stadtkern zurückzuziehen, ihre Wohnungen nicht zu verlassen und den Fenstern fern zu bleiben".

Russland weist Vorwürfe zurück

Die Regierung in Kiew wirft Russland offen "Aggression" in der russisch geprägten Region vor. Moskau wolle das Gebiet durch bezahlte Provokateure destabilisieren und dann dort einmarschieren. Russlands Außenminister Sergej Lawrow wies dies mit Nachdruck zurück. Er warnte bei einem Telefonat mit seinem US-Kollegen John Kerry, ein gewaltsames Eingreifen der Regierung in Kiew gefährde ein für Donnerstag in Genf geplantes Treffen von russischen, ukrainischen, US- und EU-Vertretern.

Die Nato forderte Moskau zur Beruhigung der Lage auf. "Ich bin äußerst beunruhigt über die weitere Eskalation der Spannung in der Ostukraine", erklärte Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen. Männer mit russischen Spezialwaffen und in Uniformen ohne Abzeichen erinnerten an das Auftreten russischer Truppen bei der Annexion der Schwarzmeerhalbinsel Krim - das sei eine schwerwiegende Entwicklung. Moskau müsse seine Truppen, zu denen auch Spezialeinheiten gehörten, von der ukrainischen Grenze zurückziehen, forderte der Nato-Chef. Die USA drohten Russland mit weiteren Konsequenzen, sollte es keine Schritte zur Deeskalierung in der Ostukraine unternehmen.

Außenminister Kerry sprach nach Angaben eines hohen Beamten seines Ministeriums in einem Telefonat mit seinem Moskauer Kollegen Lawrow von "abgestimmten" Aktionen Militanter in der Ostukraine, die mit speziellen russischen Waffen ausgerüstet gewesen seien. Auch Kerry zog Parallelen zu den Vorgängen auf der Krim vor der Annexion.

In mehreren Orten brachten Separatisten Verwaltungsgebäude und Polizeizentralen in ihre Gewalt. Seit Wochen fordern prorussische Gruppen eine Angliederung des Gebiets an Russland nach dem Vorbild der Halbinsel Krim oder zumindest ein Referendum über mehr Autonomie.