Tote schon vor Großdemos in Ägypten - Opposition will Mursi stürzen

07. Juli 2013 - 22:50 Uhr

Ausländer verlassen in Scharen das Land

Vor den Großdemonstrationen gegen Ägyptens Präsidenten Mohammed Mursi wächst die Furcht vor einer gefährlichen Eskalation. US-Präsident Barack Obama äußerte sich besorgt über die neue Gewalt mit drei Todesopfern und fast 140 Verletzten und rief die Behörden auf, für die Sicherheit der amerikanischen Botschaft und der Konsulate zu sorgen. Zahlreiche Ausländer verließen in voll besetzten Flugzeugen das Land. Zum Jahrestag des Amtsantritts Muris am 30. Juni will eine Protestbewegung den Islamisten mit Millionen Unterschriften zum Rücktritt zwingen.

Ägypten Muri Großdemos Tote
Der Jahrestag des Amtsantritts von Präsident Mursi ist für viele Ägypter kein Grund zum Feiern.
© REUTERS, ASMAA WAGUIH

Unter den Toten war laut Medienberichten auch ein 21-jähriger US-Student. Nach Angaben der Sicherheitskräfte wurde er in Alexandria von einem zunächst nicht identifizierten Mann mit einem großen Messer in die Brust gestochen, als er Demonstranten fotografierte. Seit Mittwoch kamen nach offiziellen Angaben mindestens sieben Menschen bei den Krawallen ums Leben.

Obama forderte während eines Besuchs in Südafrika, Demonstranten und Sicherheitskräfte sollten Zurückhaltung üben und der Gewalt abschwören. "Wir unterstützen friedliche Proteste und friedliche Methoden, im Land Wandel zu schaffen", sagte er. Allerdings wolle er in dem Konflikt keine Partei ergreifen. "Das ägyptische Volk muss seinen Weg finden."

In Kairo und anderen Städten herrschte am Wochenende zunächst angespannte Ruhe. Auf dem zentralen Tahrir-Platz und in der Nähe des Präsidentenpalastes kampierten Mursi-Gegner. Unterstützer des Präsidenten sammelten sich vor der nicht weit vom Amtssitz des Präsidenten entfernten Rabea-al-Adawija-Moschee. Mursi hat den Palast bereits verlassen.

Auswärtiges Amt mahnt zur Vorsicht

Auf dem internationalen Flughafen in Kairo herrschte dagegen Hochbetrieb. Sämtliche Flüge in die USA, nach Europa und in die Golfstaaten waren nach Angaben aus Sicherheitskreisen ausgebucht. Auch Mitarbeiter und Familienangehörige der US-Botschaft - insgesamt 45 Personen - verließen das Land unter anderem in einer Maschine nach Frankfurt/Main. Das US-Außenministerium warnte Amerikaner vor nicht unbedingt nötigen Reisen nach Ägypten.

Das Auswärtige Amt empfiehlt deutschen Staatsbürgern "nachdrücklich", während und nach den angekündigten Großdemonstrationen "besondere Vorsicht walten zu lassen und den jeweiligen Einzugsbereich der Demonstrationen (…)weiträumig zu meiden".

Das Oberhaupt der koptischen Christen, Tawadros II., rief Ägyptens Regierung und Opposition zur Zusammenarbeit auf. "Ägypten braucht heute jeden einzelnen Ägypter", erklärte er über den Kurznachrichtendienst Twitter. Kopten stellen in Ägypten etwa zehn Prozent der Bevölkerung.

Doch die Parteien scheinen sich unversöhnlich gegenüber zu stehen. Die Muslimbruderschaft - aus der Mursi stammt - machte "Schläger und Kriminelle" für die jüngste Gewalt verantwortlich. Sie seien vom alten Regime unter dem Deckmantel einiger Oppositionsgruppen angeheuert worden, um Unruhe zu stiften, erklärten die Islamisten.

Ziel der Opposition ist der Rücktritt Mursis. Die islamistische Führung des Landes lehnt Neuwahlen aber ab. Beobachter rechnen daher mit neuer Gewalt bei den Großdemos. Mursi war 2012 bei der ersten freien Präsidentschaftswahl mit knapper Mehrheit gewählt worden. Die Protestbewegung will nun mehr als 22 Millionen Unterschriften von Bürgern übergeben, die die Absetzung Mursis und Neuwahlen fordern.