Tote nach Giftgasangriff: Könnten Flugverbotszonen helfen?

07. April 2017 - 11:27 Uhr

Geberkonferenz: Freikauf von der moralischen Schuld?

Rot poppt gerade auf dem Bildschirm die Eilmeldung auf: "Deutschland stellt weitere 1,169 Milliarden Euro für die Opfer des syrischen Bürgerkriegs zur Verfügung. Das kündigte Bundesaußenminister Sigmar Gabriel bei einer internationalen Geberkonferenz in Brüssel an." Auch wenn die Konferenz schon länger geplant war, so wirkt diese Nachricht kurz nach dem Giftgasangriff auf Zivilisten wie ein Freikaufen. Mag es nun Ohnmacht, Unfähigkeit oder gar Unwillen sein – die Weltgemeinschaft präsentiert sich einig in Empörung und Abwälzung von Verantwortung.

UN: Ohne Russland geht nichts

Die USA, Frankreich und Großbritannien haben dem UN-Sicherheitsrat einen Resolutionsentwurf vorgelegt, in dem der mutmaßliche Giftgasangriff in Syrien verurteilt und rasch aufgeklärt werden soll. Das ist ehrenwert, nur ist das Ergebnis absehbar und folgenlos. Der Sicherheitsrat muss einstimmig entscheiden, und Russland ist nun einmal ein Teil dieses Sicherheitsrates. Und die Russen haben gerade erklärt: Die 72 Toten – so die aktuellen Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte – unter denen sich 20 Kinder und 17 Frauen befinden, wurden gar nicht Opfer eines Giftgasangriffes. Sie wurden Opfer eines Angriffes auf Rebellen, bei dem die syrische Luftwaffe leider auch eine illegale Chemiewaffenfabrik der Rebellen traf, die Teil eines Munitionslagers war. Ein extrem bedauernswerter sehr tragischer Kollateralschaden also. Ein Hohn angesichts der vielen Opfer.

USA: Die einfache Sicht

HANDOUT - Ein von der «Syria Civil Defence» (Weißhelme) am 04.04.2017 zur Verfügung gestellte Foto, zeigt einen Freiwilligen Helfer, der ein Opfer eines mutmaßlichen Giftgasangriffs in Chan Scheichun, Syrien, versorgt. Bei einem Luftangriff mit Giftg
Mutmaßlicher Giftgasangriff in Syrien
© dpa, Syria Civil Defence, julie rogers hjb

Der neue Außenminister der USA, Rex Tillerson, findet deutliche Worte: "Es ist klar, wie Assad operiert: mit brutaler, unverfrorener Barbarei", sagt er. Und: "Als die selbst ernannten Garanten des Waffenstillstandsabkommens von Astana tragen Russland und der Iran große moralische Verantwortung für diese Toten." Das sind nicht wirklich neue Erkenntnisse, beinhalten nur eine neuerliche Wende der US-Politik, die gerade erklärt hatte, die Syrer seien selbst für ihre Zukunft und die Assads verantwortlich. Schuld sei auf Amerikanischer Seite höchstens Obama, dessen "Schwäche und Unentschlossenheit" zu diesem Angriff geführt hätte, wie US-Präsident Donald Trump in einer Mitteilung verlauten ließ. Es bleibt abzuwarten, wie stark und entschlossen Trump in den Konflikt eingreifen wird.

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Was muss jetzt passieren?

RTL-Chef-Korrespondentin Antonia Rados, die im Dezember noch in der nun betroffenen Provinz war erkärt, dass die Situation in Syrien extrem kompliziert sei, zu viele Interessen sind involviert und viele Kämpfer auf Seiten der Opposition seien radikale Islamisten. Ihrer Meinung nach sind Flugverbotszonen das einzige Mittel, um dem Konflikt die Schärfe zu nehmen und Vorfälle wie diesen Giftgasangriff in Zukunft zu verhindern. Dazu wird allerdings ein Mandat der UN benötigt.

Aber wie man es sich auch dreht: Zwischen den vielen empörten Worten der Politiker liegen elendig verendete unschuldige Menschen tot auf dem blutgetränkten syrischen Boden, und es werden nicht die letzten sein, solange alle Beteiligten und der Rest der westlichen Welt nur im Rahmen der eigenen Interessen handeln. Viele unserer Zuschauer und User bewegen die Fragen: Gibt es vor Ort humanitäre Hilfe?  Was kann das Geld, das Außenminister Gabriel in Aussicht gestellt bewirken? Was muss jetzt passieren? Warum hilft niemand den Kindern?

Und warum schaut die Welt seit Jahren tatenlos zu? Die bessere Antwort lautet: Weil sie es nicht besser kann oder weiß.