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Tote Jugendliche in Arnstein: Was spricht für Kohlenmonoxid als Todesursache und was dagegen?

Tote Jugendliche in Arnstein: Was spricht für Kohlenmonoxid als Todesursache und was dagegen?

Was ist wirklich passiert? Todesdrama von Arnstein
02:56 min
Todesdrama von Arnstein
Was ist wirklich passiert?

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"Es fehlen oft die richtigen Worte, es sind viele Bilder im Kopf"

Einen Tag nachdem ein Vater seine Tochter, seinen Sohn und vier weitere Freunde von ihnen tot in einer Gartenlaube in Arnstein (Bayern) fand, gibt die Todesursache Rätsel auf. Am wahrscheinlichsten erscheint eine Vergiftung durch das tödliche Gas Kohlenmonoxid. Was spricht dafür und was dagegen?

Noch immer können die Menschen in Arnstein nicht richtig fassen, was da eigentlich passiert ist. "Es ist für uns ein schwerer Schicksalsschlag, so viele junge Menschen zu verlieren", sagte der zweite Bürgermeister, Franz-Josef Sauer. "Es fehlen oft die richtigen Worte, es sind viele Bilder im Kopf."

Die Polizei hat laut eines Sprechers keine Spuren gefunden, die auf ein Gewaltverbrechen hindeuten würden. Die Kripo Würzburg ermittelt und sucht Spuren. Die wahrscheinlichste Theorie: Die Jugendlichen starben an einer Kohlenmonoxidvergiftung. In der Hütte steht ein Kaminofen. Vermutlich wollten die sechs Freunde nach der Party an Ort und Stelle übernachten.

Vor allem am Ende eines Feuers, wenn nur noch Glut im Ofen ist, entsteht viel Kohlenmonoxid und der Zug des Kamins ist am niedrigsten. In der Nacht auf Sonntag herrschten in Arnstein minus elf Grad. Eine Theorie: Die jungen Leute haben nicht gelüftet und sind eingeschlafen.

"Das Heimtückische an der Kohlenmonoxid-Vergiftung: Es ist ein geruchs- und farbloses Gas. Man merkt nicht, dass man es einatmet. Da muss auch kein Rauch mit dabei sein", erzählt der Mediziner Dr. Christoph Specht RTL. Kann es wirklich sein, dass alle gleichzeitig bewusstlos werden? "Wenn die Konzentration hoch ist, geht das so schnell, das merkt keiner", so Specht.

Auch die Beschaffenheit des Gebäudes spricht für diese Theorie. "Das gemauerte Haus liegt an einem Berghang eines ehemaligen Weinberges. Es war zunächst eine Brotzeithütte ohne Fenster", so RTL-Reporter Cord Eickhoff. "Da die Fenster erst nachträglich eingebaut wurden, haben sich auch die Belüftungsverhältnisse für den Holzofen nachträglich verändert."

Mysteriöses Facebook-Bild gibt Rätsel auf

Merkwürdig aber in diesem Zusammenhang: Auch der Sohn des Hüttenbesitzers ist unter den Toten. Er hatte laut Eickhoff eine Ausbildung zum Schornsteinfeger und hätte wissen müssen, welche Gefahr vom Kohlenmonoxid ausgeht. Das wirft Fragen auf.

Mysteriös ist in diesem Zusammenhang ist auch ein Profilbild, das die tote junge Frau laut 'Bild' vor ihrem Tod auf ihrer Facebookseite hochgeladen haben soll. Auf einem pinkfarbenen Hintergrund steht der Spruch: "Ich würde mir wünschen, an meinem Grab stehen zu können, nur um die Trauernden zu fragen, wo sie waren, als ich noch lebte." Worte, die angesichts der Tragödie eine ganz neue Bedeutung bekommen.

Was nun wirklich die Todesursache ist - die Obduktion wird Klarheit bringen. "Zusätzlich hat die Staatsanwaltschaft angeordnet, dass das Blut der Leichen untersucht wird - vor allem auf körperfremde Substanzen", so die Polizei. So könne man klären, ob bei der Party eventuell Drogen im Spiel waren.