Tote bei Anti-Mubarak-Protesten in Kairo

Der Tahrir-Platz wurde abgeriegelt

In Kairo sind ägyptische Sicherheitskräfte mit Gewalt gegen Gegner des früheren Staatschefs Mubarak vorgegangen. Dabei seien in der Nähe des Tahrir-Platzes zwei Menschen ums Leben gekommen. Bei den Zusammenstößen wurden zudem neun Demonstranten verletzt, sagte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums.

Stacheldraht Polizei Kairo
Die Polizei riegelte den Tahrir-Platz mit Stacheldraht ab
Reuters

Der Tahrir-Platz selbst war zuvor abgeriegelt worden. Er war im Frühjahr 2011 das Zentrum von Massenprotesten, die zum Rücktritt Mubaraks führten. Im Küstenort Alexandria lösten die Sicherheitskräfte eine Kundgebung von Mubarak-Gegnern auf.

Mubarak bleibt zunächst in Haft

Ein Strafgericht in Kairo hatte am Samstag die Anklage gegen den 86-Jährigen wegen des Todes von mehr als 800 Demonstranten während des Aufstands gegen ihn fallengelassen. Damit entgeht Mubarak einem Schuldspruch. Die Staatsanwaltschaft hatte die Todesstrafe gefordert. Richter Mahmud al-Raschidi sagte in seiner Begründung, nur die Geschichte und Gott sollten angerufen werden, um ein Urteil gegen jemanden zu fällen.

Im Januar und Februar 2011 hatten Demonstranten tagelang den Tahrir-Platz besetzt und den Rücktritt des Langzeitpräsidenten gefordert. Polizeikräfte und Schlägertrupps gingen mehrmals auf die Protestierenden los, bevor Mubarak am 11. Februar 2011 seinen Rücktritt bekanntgab. Eine vom Militär eingesetzte Richterkommission ermittelte im Anschluss den Tod von mindestens 846 Menschen. Laut Kommission konnte ein Schießbefehl gegen die Demonstranten nur mit der Zustimmung des Präsidenten erteilt werden.

Trotz der beiden Urteile kommt Mubarak vermutlich vorerst nicht auf freien Fuß. In einem weiteren Verfahren war der Ex-Präsident im Mai wegen Korruption zu drei Jahren Haft verurteilt worden. Der gesundheitlich angeschlagene Mubarak lebt seit Monaten in einem Kairoer Militärkrankenhaus.