Verdursten unsere Wälder?

Tote Bäume rund um den Brocken: Waldsterben im Harz

01. Mai 2020 - 17:23 Uhr

Hitze, Trockenstress und Stürme: Das Landschaftsbild ändert sich massiv

Der Wald im Harz ist ein erschreckender Anblick. Luftbildaufnahmen zeigen, wie großflächig die Bäume geschädigt sind. Es sind die Folgen von Dürre, Stürmen und Borkenkäfern. Die Waldbrandgefahr ist groß.

Die Region steht vor tiefgreifenden Veränderungen. NABU-Präsident Jörg-Andreas Krüger erläutert:  "Vor allem in den Mittelgebirgen wird sich das Landschaftsbild massiv ändern und die ökologische Leistungsfähigkeit der Wälder sinkt." Die Regenschauer um den Monatswechsel sind da nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

Borkenkäfer treffen auf vorgeschädigte Fichten

 News Bilder des Tages Waldsterben im Harz 24.04.2020, Torfhaus Hessen: Abgestorbene Fichten im Harz in der Nähe der Achtermannshöhe., Torfhaus Deutschland *** Waldsterben im Harz 24 04 2020, peat house Hessen Dead spruces in the Harz near the Achter
Abgestorbene Fichten im Harz in der Nähe der Achtermannshöhe
© imago images/Jan Eifert, Florian Karlstedt via www.imago-images.de, www.imago-images.de

​Die Jahre 2018 und 2019 waren außergewöhnlich trocken und heiß. Neben den hohen Temperaturen führt der fehlende Niederschlag zu erhöhtem Trockenstress für die Wälder - sichtbar durch die vermehrt absterbenden Fichtenwälder und die zunehmenden Waldbrände.

Der Winter 2019/2020 war erneut außerordentlich mild und durch die geringen Niederschläge sind die Wasservorräte des Bodens noch immer nicht aufgefüllt. Borkenkäfer haben damit ideale Voraussetzungen für eine Massenvermehrung. Sie treffen auf vorgeschädigte Fichten, die sich auf Grund des andauernden Wassermangels nicht mit Harz gegen die Fichten wehren können. Unter diesen Umständen können bis zu drei Borkenkäfergenerationen entstehen. Dazu kommt die hohe Waldbrandgefahr.

Besonders hohe Waldbrandgefahr im Harz

 Waldsterben im Harz 24.04.2020, Torfhaus Hessen: Abgestorbene Fichten im Harz in der Nähe der Achtermannshöhe., Torfhaus Deutschland *** Waldsterben im Harz 24 04 2020, peat house Hessen Dead spruces in the Harz near the Achtermannshöhe, peat house
Zuwenig Niederschlag hat den Wäldern im Harz zu schaffen gemacht
© imago images/Jan Eifert, Florian Karlstedt via www.imago-images.de, www.imago-images.de

Die Niedersächsischen Landesforsten wiesen auf die außergewöhnliche Bedrohung der Wälder im Harz hin. "Die Waldbrandgefahr ist in diesem Frühjahr besonders hoch", sagte Forstsprecher Michael Rudolph. "Denn es ist extrem trocken."

Seit Mitte März habe es kaum noch geregnet. Die viele Sonne und der starke Wind hätten die Böden zusätzlich ausgetrocknet. Zudem stellten viele trockene Gräser, die noch nicht von frischem Grün überwachsen sind, eine hohe Gefahr dar. In den Wäldern gebe es zudem sehr viel abgestorbenes trockenes Gehölz.

Wegen Corona: Mehr Menschen in den Wäldern

Der Wald rund um den Brocken sieht schon sehr ausgetrocknet aus.
Der Wald rund um den Brocken sieht schon sehr ausgetrocknet aus.
© Bundespolizei

"Erschwerend kommt hinzu, dass angesichts der Corona-Krise immer mehr Menschen in die Wälder kommen", sagte Forstsprecher Rudolph. Und die verhalten sich oft gedankenlos. Als Beispiel nannte er nachlässig weggeworfene Zigaretten. Das genügt, um einen verheerenden Brand auszulösen.

So war zum Beispiel in der Nähe eines Wanderparkplatzes nahe Braunlage ein Feuer ausgebrochen, dass nach Einschätzung der Polizei vermutlich durch eine glimmende Kippe ausgelöst wurde. Nur weil die Feuerwehr schnell zur Stelle war, wurde ein größerer Waldbrand verhindert.

Niedersachsen reagiert mit verstärkten Aufklärungsflügen, um mögliche Brandherde möglichst schnell zu entdecken.

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