Seit über einer Woche in 100 Meter tiefem Brunnenschacht

Kann der im Schacht verschüttete Julen (2) noch leben?

Schwere Maschinen wurden an den Ort des Unglücks in Totalan gebracht, um Julen zu bergen
Schwere Maschinen wurden an den Ort des Unglücks in Totalan gebracht, um Julen zu bergen
© REUTERS, JON NAZCA, JN/

21. Januar 2019 - 17:23 Uhr

Dr. Christoph Specht erklärt Julens Überlebenschancen

Der zweijährige Julen ist seit über einer Woche in einem 100 Meter tiefen Brunnenschacht verschüttet. Die Retter haben große Schwierigkeiten, zu ihm vorzudringen. Die Hoffnung, den Jungen lebend retten zu können, schwindet. Dennoch sprechen die Behörden weiterhin davon. Doch ist das realistisch? Allgemeinmediziner Christoph Specht hat eine klare Antwort auf diese Frage: "Ehrlich gesagt, nein".

Dr. Specht: "Es müssten alle Bedingungen optimal sein"

Die Wahrscheinlichkeit, dass der Junge noch lebe, tendiere gegen 0, sagte Dr. Specht. "Es müssten alle Bedingungen optimal sein." Der Allgemeinmediziner zählt auf: Keine Wunden und Verletzungen trotz des langen Sturzes, Wasserzugang im Schacht und außerdem müsste der Zweijährige noch ertragen, über eine Woche ohne Nahrung auszukommen. All das zusammen ist schon sehr unwahrscheinlich, hinzu kommt das größte Problem:

In einem Schacht verbraucht ein Mensch mit jedem Atemzug den verfügbaren Sauerstoff und atmet CO2 aus. Da CO2 schwerer ist als Sauerstoff, wäre das Ersticken vorprogrammiert, solange es keine Frischluftzufuhr gibt. So erläutert der Mediziner das Problem, dass diesen Fall von bekannten Fällen später Rettungen beispielsweise nach Erdbeben unterscheidet. Dort haben Verschüttete nicht die gleichen Atemprobleme wie in einem 100 Meter tiefen Schacht.

Im Video: Rettungsarbeiten verzögern sich weiter

Für Montag hatten die Retter geplant, zu Julen vorzustoßen. Doch weil immer neue Schwierigkeiten die Rettung behindern, peilen sie für die Bergung nach RTL-Informationen nun Dienstagabend an. Experten machen den Organisatoren schwere Vorwürfe. Der leitende Ingenieur Angel Garcia Vidal verteidigt das Vorgehen seines Teams. Die Arbeiter hätten eine Pause einlegen müssen, weil die Bohrmaschine bei der Arbeit in dem extrem harten Gestein gewartet werden müsste.

"Unser ganzes Team kämpft und arbeitet mit all seiner Kraft und Mühe und voller Motivation", erklärte Garcia Vidal. Wenn die Bohrung abgeschlossen ist, müssen die Retter noch den Schacht auskleiden und die Querverbindung graben, die vom Rettungsschacht zu Julen führen soll.