Tötete Helen Baileys Mörder schon einmal? Polizei überprüft den Tod einer weiteren Frau

16. Mai 2017 - 16:27 Uhr

War die Autorin gar nicht das erste Opfer?

Der Mord an der britischen Kinderbuchautorin Helen Bailey hätte das Zeug zu einer spannenden Kriminalgeschichte. Leider ist der Fall jedoch traurige Realität und schockierte 2016 ganz Großbritannien. Die 51-Jährige wurde von ihrem Verlobten ermordet. Sie war möglicherweise nicht sein einziges Opfer. Die Ermittler prüfen nun, ob der Mann auch für den Tod seiner Ehefrau verantwortlich ist.

Nach außen hin schien bei Helen Baily alles in Ordnung zu sein. Nach Jahren der Trauer um ihren ersten Mann, der im gemeinsamen Urlaub verunglückte, hatte sie sich endlich wieder neu verliebt. Über eine Trauerwebsite lernte sie Ian Steward kennen. "Er hatte seine Frau verloren und Helen war sehr aufgeregt, endlich jemanden zu treffen", erzählte Shelley Whitehead, eine enge Freundin der Autorin.

Helen setzte Ian als Alleinerben ein

Helen verliebte sich in den 56-Jährigen und die beiden planten, zu heiraten. Sie setzte ihn sogar als Alleinerben ein, für den Fall, dass sie sterben sollte. Ein fataler Fehler, wie sich später zeigen sollte. Doch davon ahnte die Britin noch nichts. "Das Leben ist wieder schön, ich hätte nie gedacht, dass ich das nochmal sagen würde", schwärmte Helen damals in einem Interview. Sechs Monate später war sie tot. Ian spielte seine Rolle als Verliebter aber so gut, dass Freunde des Paares zuerst gar nicht glauben konnten, dass er für Helens Tod verantwortlich sein sollte.

Im April 2016 verschwand die Autorin plötzlich. Vier Tage später rief ihr vermeintlich verzweifelter Verlobter den Notruf. "Sie hat einen Zettel dagelassen. Darauf steht, sie braucht Raum und Zeit für sich alleine", sagte er der Polizei. Die Ermittler starteten eine riesige Suchaktion, doch monatelang fehlte jede Spur von der 51-Jährigen. Ihr Verlobter gab sich völlig ahnungslos, verstrickte sich im Verhör immer mehr in Wiedersprüche.

Der Mörder hatte es auf das Vermögen der Autorin abgesehen

Langsam erschloss sich für die Polizei das Bild. Nach ihrem Verschwinden überwies Ian sich täglich Geld von Helens Bankkonto – umgerechnet insgesamt 12.000 Euro. Und auch andere Indizien wiesen darauf hin, dass der "trauernde" Verlobte etwas zu verbergen hatte. Am Tag nach Helens Verschwinden fuhr der 56-Jährige zu einer Mülldeponie und entsorgte Bettwäsche, wie auf Überwachungsaufnahmen zu sehen ist. Im Nachhinein stellte sich heraus, dass darauf DNA-Spuren waren, die das Verbrechen bewiesen.

Von der Leiche der Autorin fehlte jedoch noch immer jede Spur. Wo hatte Ian seine Verlobte entsorgt? Der entscheidende Hinweis kam schließlich von einer Nachbarin. Mavis Drake erinnerte sich an eine Klärgrube unter Helens Garage. "Wir haben alle Witze darüber gemacht, dass man darin sogar eine Leiche verstecken könnte und niemand würde sie jemals finden", erzählte die Nachbarin.

Und tatsächlich fanden die Ermittler Helen tot in dem Schacht. Nun konnte Ian die Tat nicht mehr länger leugnen. Er hatte der 51-Jährigen wochenlang heimlich Schlafmittel verabreicht, sie schließlich mit einem Kissen erstickt und in die Klärgrube geworfen. Helen musste sterben, weil ihr Verlobter es auf ihr Vermögen von rund vier Millionen Euro abgesehen hatte. Ein Gericht verurteilte den Mann zu 34 Jahren Gefängnis. Eventuell muss Ian aber auch noch länger hinter Gitter, denn Helen war möglicherweise nicht sein erstes Opfer. Die Polizei überprüft nun auch noch mal den Tod seiner ersten Frau, die 2010 an einem epileptischen Anfall gestorben sein soll. Die Ermittler klären nun, ob sie damals wirklich eines natürlichen Todes starb.