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Tödliches Zugunglück bei Paris: Defektes Weichenteil vermutlich die Ursache

Tödliches Zugunglück bei Paris: Defektes Weichenteil vermutlich die Ursache

Lokführer verhinderte noch größere Katastrophe

Ein defektes Verbindungsteil an einer Weiche war vermutlich die Ursache des tödlichen Zugunglücks bei Paris. Das Stahlelement hätte eigentlich zwei Schienenteile zusammenhalten sollen, erklärte ein Bahnverantwortlicher auf einer Pressekonferenz. Es habe sich aus noch ungeklärter Ursache gelöst. Bei den Bergungsarbeiten nach dem Zugunglück wurden derweil keine weiteren Leichen gefunden.

Frankreich Zugunglück Bretigny-sur-Orge
Der Intercity nach Limoges entgleiste kurz vor dem Bahnhof von Brétigny-sur-Orge.
dpa, Pool

Nun sollen schnellstmöglich alle vergleichbaren Verbindungsteile im französischen Schienennetz überprüft werden, es sollen rund 5.000 sein.

Über die Weiche vor dem Bahnhof war eine halbe Stunde vor dem Unglück noch ein anderer Zug gefahren - offensichtlich ohne Probleme. Verkehrsminister Frédéric Cuvillier erklärte, der Zug sei nicht zu schnell gewesen. Er sei 137 Stundenkilometer gefahren und damit 13 km/h langsamer als erlaubt.

Bei dem Unglück am Bahnhof von Brétigny-sur-Orge waren mehrere Waggons eines Intercity-Zuges aus den Gleisen gesprungen. Während der eine Zugteil weiterrollte, krachte der andere zum Teil auf den Bahnsteig. Mindestens sechs der 385 Reisenden starben. 30 Menschen mussten nach Regierungsangaben stationär in Krankenhäusern behandelt werden, acht mit schweren Verletzungen. Ärzte sprachen zudem von Dutzenden Leichtverletzten.

Zwar hatte Cuvillier nicht ausgeschlossen, dass sich weitere Tote in den Trümmern befinden, doch bei den Bergungsarbeiten wurden keine weiteren Leichen gefunden.

Lokführer verhinderte größere Katastrophe

Nach Angaben der Bahngesellschaft SNCF verhinderte der Lokführer des entgleisten Intercity durch seine schnelle Reaktion eine noch größere Katastrophe. Als er Stöße spürte, habe er sofort Notsignale gesendet, erklärte SNCF-Sicherheitschef Alain Krakovitch auf einer Pressekonferenz in der Nacht in Paris. Dadurch hätten andere Züge gestoppt und "ein oder mehrere Zusammenstöße" verhindert werden können. Der Intercity oder zumindest Teile von ihm befanden sich demnach nach dem Unfall nicht mehr auf dem eigentlichen Gleis. "Der Zugführer steht völlig unter Schock", sagte Krakovitch.

An den Bergungsarbeiten waren nach Regierungsangaben Hunderte Rettungskräfte und mehrere Hubschrauber beteiligt. Spezialkräfte suchten auch in der Nacht noch nach möglichen weiteren Opfern.

Augenzeugen an der Unfallstelle hatten zuvor von Bildern des Grauens berichtet. "Das Bahnsteigdach ist eingestürzt. Vier Waggons sind total zerfetzt", sagte der sozialistische Parlamentarier Michel Pouzol im Radio. Es sei ein "apokalyptischer Anblick". Ein 22-Jähriger, der zum Unglückszeitpunkt in der Bahnhofsbar saß, berichtete von dramatischen Szenen. "Es flogen überall Trümmerteile und Schotter herum", sagte er. Teller seien auf den Boden gekracht, eine Frau sei durch die Schockwelle fünf Meter durch die Luft geschleudert worden. Nicht nur im Zug selbst, sondern auch am Bahnhof habe es Verletzte gegeben.

Staatschef François Hollande sprach den Angehörigen der Opfer sein Beileid aus und sicherte zu, dass alles für die Aufklärung der Katastrophe getan werde. Auch er war am Abend zur Unglücksstelle geeilt. Der am Nachmittag in Paris gestartete Unglückzug hätte eigentlich um 20.05 Uhr in Limoges ankommen sollen. Die Stadt liegt rund 400 Kilometer südlich der Seine-Metropole.

Das Zugunglück von Brétigny-sur-Orge ist das schwerste in Frankreich seit 25 Jahren. 1988 waren am Gare de Lyon in Paris 56 Menschen ums Leben gekommen. An einem Zug versagten damals die Bremsen. Daraufhin bohrte er sich in einen stehenden Triebwagen.