Lebenslange Haft

Tödliches Autorennen in Berlin: Zwei Raser wegen Mordes verurteilt

27. März 2019 - 9:23 Uhr

Bundesgerichtshof hatte erste Verurteilung aufgehoben

Gut drei Jahre nach einem tödlichen Autorennen in der Berliner Innenstadt hat das Landgericht zum zweiten Mal zwei Raser wegen gemeinschaftlichen Mordes verurteilt. Es verhängte lebenslange Gefängnisstrafen. Die erste Verurteilung hatte der Bundesgerichtshof aufgehoben. Im Video sagt der Sohn des Opfers, Maximilian Warshitsky, was er über das Urteil denkt.

Richter: "Aus nichtigem Anlass mit dem Leben anderer Menschen gespielt"

Tödliches Autorennen in Berliner Innenstadt
Tödliches Autorennen in der Berliner Innenstadt: Die fuhren mit bis zu 170 km/h über den Ku'damm.
© dpa, Britta Pedersen, fux

Das Gericht in der Hauptstadt sah es am Dienstag als erwiesen an, dass die heute 30 und 27 Jahre alten Fahrer in ihren hochmotorisierten Autos den Tod eines 69-Jährigen billigend in Kauf nahmen. "Was geschah, hatte mit Fahrlässigkeit nichts zu tun", sagte der Vorsitzende Richter am Dienstag. "Die Angeklagten haben aus nichtigem Anlass mit dem Leben anderer Menschen gespielt." Die Raser seien selbstverliebt und rücksichtslos gewesen, ihre Fahrzeuge hätten sie förmlich vergöttert. Er sei sich der Tatsache bewusst, dass es sich um ein sehr hartes Urteil handele. Aber dies sei geltendes Recht, und er habe sich daran zu halten.

Die beiden Männer waren spontan mit bis zu 170 km/h über den Ku'damm gefahren. Der jetzt 30-Jährige hatte den Jeep des unbeteiligten Rentners gerammt, dieser starb in seinem Wagen. Der Jeep war meterweit durch die Luft geschleudert worden. Die beiden Raser wurden kaum verletzt.

Mit dem Urteil entsprach das Gericht weitgehend den Forderungen der Staatsanwaltschaft.

Ku'damm-Raser entschuldigten sich

Vor dem Landgericht Berlin entschuldigten sich die Ku'damm-Raser.
Vor dem Berliner Landgericht entschuldigten sich die Ku'damm-Raser.
© dpa, Paul Zinken, pdz

Eine andere Strafkammer des Berliner Landgerichts hatte gegen beide Männer im Februar 2017 lebenslange Haftstrafen wegen Mordes verhängt – deutschlandweit zum ersten Mal in einem Raser-Fall. Der Bundesgerichtshof (BGH) fand aber den bedingten Tötungsvorsatz unzureichend begründet. Das Urteil wurde aufgehoben, eine Neuverhandlung angeordnet. Doch die Richter in der Hauptstadt kamen nun auch in dem neuen Prozess zu dem gleichen Schluss.

In seinem Schlusswort hatte der 30-jährige Angeklagte eingeräumt, er würde "gern ungeschehen machen, was geschehen ist". Auch der jüngere Angeklagte hatte betont, er wolle sich aufrichtig entschuldigen.

Härtere Strafen für Raser möglich

Seit Oktober 2017 können Teilnehmer an illegalen Autorennen härter bestraft werden. Im Strafgesetzbuch gibt es nun den Paragrafen 315d. Wird durch ein "verbotenes Kraftfahrzeugrennen" der Tod eines anderen Menschen verursacht, können bis zu zehn Jahre Haft verhängt werden. Rückwirkend konnte die neue Regelung auf den Berliner Raser-Fall aber nicht angewandt werden. Laut Statistik ermittelte die Polizei in Berlin seit Beginn der neuen Regelung bis Ende 2018 wegen 298 illegaler Autorennen.

Der BGH hatte erst Anfang März in einem anders gelagerten Fall bestätigt, dass ein rücksichtsloser Raser als Mörder verurteilt werden kann. Der Mann hatte 2017 in Hamburg mit einem gestohlenen Taxi einen Menschen getötet und zwei schwer verletzt. Die Karlsruher Richter bekräftigten die lebenslange Haftstrafe der Vorinstanz wegen eines bedingten Tötungsvorsatzes vom Februar 2018.