Unbeteiligter bei Jagd nahe Nittenau erschossen

Tödlicher Schuss: Jäger zu Bewährungsstrafe verurteilt

24. Juli 2019 - 16:03 Uhr

Staatsanwaltschaft und Verteidigung forderten Bewährungsstrafen

Der Jäger zielt auf ein Wildschwein und tötet einen Menschen. Dafür haben die Richter am Landgericht Amberg den 46-Jährigen zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr auf Bewährung verurteilt. Bei einer Drückjagd auf einem Maisfeld in der Nähe von Nittenau hatte der Mann im vergangenen August ein vorbeifahrendes Auto getroffen und den Beifahrer getötet. Staatsanwaltschaft und Verteidigung hatten in ihren Plädoyers Bewährungsstrafen gefordert. Der Angeklagte hatte im Prozess gestanden, seine Waffen freiwillig abgegeben und Reue gezeigt. "Keine Sau ist ein Menschenleben wert", sagte der Jäger vor Gericht.

„Seine Schussposition war die Gefährlichste“

In dem Prozess vor dem Landgericht ging es lange um die Rekonstruktion der Jagd und des tödlichen Schusses. Die Richter sahen es als erwiesen an, dass ein Schuss aus der Waffe des Angeklagten erst das Schwein traf, dann das Seitenfenster und sich durch Arm und Oberkörper bis in die Lungenflügel des Opfer bohrte. Es sei kein Querschläger gewesen, sondern ein Schuss in Richtung der Bundesstraße, so der Staatsanwalt in seinem Plädoyer.

"Seine Schussposition war die Gefährlichste", erklärte der Staatsanwalt weiter. Der Schuss hätte sogar noch mehr Schaden anrichten können, wenn er nicht im Körper des Opfers stecken geblieben wäre. Allgemein könne von unglaublichem Pech gesprochen werden, weil das Auto Millisekunden später weg gewesen wäre, so die Anklage.

Jagd „an allen Ecken und Enden falsch oder unzureichend organisiert“

Die Bewährungsstrafe wird auf drei Jahre ausgesetzt. Wie von der Staatsanwaltschaft zusätzlich gefordert, muss der Verurteilte zusätzlich 10.000 Euro an die Hinterbliebenen und 10.000 Euro an den Hospizverein Stadt und Landkreis Schwandorf. Diese sind bis sechs Monate nach dem Urteil zu zahlen.

Vor dem Landgericht Amberg sagte der Ankläger am Mittwoch, die Jagd sei "an allen Ecken und Enden falsch oder unzureichend organisiert" gewesen. Argumente für die Bewährungsstrafe bei einem Fall fahrlässiger Tötung waren laut Staatsanwaltschaft das Geständnis, die freiwillige Abgabe der Waffen. Zudem war der Angeklagte nicht vorbestraft. Die Staatsanwaltschaft forderte eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten. Auch die Verteidigung forderte eine Bewährungssstrafe, allerdings von neun Monaten.

"Sie haben es hier mit einem gebrochenen Mann zu tun, der selbst an dem zerbrochen ist, was er letztendlich angerichtet hat", sagte der Verteidiger in seinem Abschlussplädoyer. Der Vater des Opfers hatte den Tod seines Sohns zuvor als Hinrichtung bezeichnet. "Es ist keineswegs so, dass ihr Sohn hingerichtet wurde", sprach der Verteidiger zum Vater des Opfers.