Vorfall im Dezember 2019

Tödlicher Schlag in Augsburg: 4,5 Jahre Haft für 17-jährigen Schläger

06. November 2020 - 15:14 Uhr

Jugendstrafe von vier Jahren und sechs Monaten

Nach dem tödlichen Schlag gegen einen Familienvater in Augsburg ist der 17-jährige Täter zu einer Jugendstrafe von vier Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt worden. Das Landgericht Augsburg sah es am Freitag als erwiesen an, dass er am Nikolaustag 2019 den Mann am Königsplatz mit einem Faustschlag ins Gesicht tödlich verletzt hatte. Halid S., der Hauptangeklagte, hatte vor Gericht den tödlichen Schlag gegen den Feuerwehrmann eingeräumt.

ARCHIV - 08.12.2019, Bayern, Augsburg: Am Königsplatz in Augsburg trauern Feuerwehrmänner. Ein Mitglied der Berufsfeuerwehr war am Abend des 06.12.2019 in seiner Freizeit in einer Auseinandersetzung mit einer Gruppe Jugendlicher so schwer verletzt wo
Feuerwehrmänner trauern am Königsplatz in Augsburg um ihren totgeschlagenen Kameraden (Archivfoto vom 8. Dezember 2019).
© dpa, Stefan Puchner, puc pil uvo req sjua

Urteil auf Körperverletzung mit Todesfolge und der gefährliche Körperverletzung

Die Jugendkammer sprach den Jugendlichen der Körperverletzung mit Todesfolge und der gefährlichen Körperverletzung schuldig. Die Richter blieben damit allerdings unter dem Strafmaß, das Staatsanwaltschaft und Nebenkläger am Vortag gefordert hatten: Sechs Jahre Haft. Der Angeklagte nahm das Urteil regungslos zur Kenntnis.

Feuerwehrmann erlitt in Folge des Schlages eine Hirnblutung und starb

Die Tat in der Vorweihnachtszeit hatte bundesweit für Entsetzen gesorgt. Da der Getötete bei der Berufsfeuerwehr in Augsburg gearbeitet hatte, gedachten auch Mitglieder zahlreicher anderer Feuerwehren bundesweit dem Opfer. Zum Zeitpunkt der Tat war der Mann privat unterwegs.

Der 49-Jährige war am Tatabend mit seiner Frau und einem befreundeten Paar von einem Weihnachtsmarkt- und Restaurantbesuch zum Königsplatz gegangen. Dort war er in einen Streit mit einer Gruppe Jugendlicher geraten, zu der der 17-jährige Hauptangeklagte gehörte. Der junge Mann schlug aus Sicht der Jugendkammer zu, der Feuerwehrmann erlitt in Folge des Schlages eine Hirnblutung und starb kurz darauf. Nach der Gewalttat verprügelte der 17-Jährige dann noch zusammen mit zwei Freunden den 50 Jahre alten zweiten Mann und verletzte ihn schwer. Dafür verurteilte ihn das Gericht wegen gefährlicher Körperverletzung.

Angeklagter räumte Faustschlag vor Gericht ein

Die Verteidiger des Jugendlichen hatten auf Nothilfe und eine Bewährungsstrafe plädiert. Denn ihr Mandant habe einen Freund schützen wollen, den der Familienvater zuvor gestoßen habe. "Für mich ist das eine Attacke", betonte einer der Verteidiger am Vortag. Rechtlich sei der Faustschlag also Nothilfe gewesen. Die Bewährungsstrafe ergebe sich aus der gefährlichen Körperverletzung gegen den 50-jährigen Freund des Mannes, sagten die Anwälte am Donnerstag weiter.

Überwachungskameras am Königsplatz hatten die Gewalttaten aufgezeichnet. Den Faustschlag hatte der Hauptangeklagte schon zu Prozessbeginn eingeräumt.

Quelle: dpa/RTL.de