Bürgermeister von Schnalstal im Interview

Tödlicher Samstag in den Alpen: Vier Deutsche sterben in Lawinen

30. Dezember 2019 - 9:14 Uhr

Im Video spricht der Bürgermeister von Schnalstal

Zwei Familien fahren bei Sonnenschein eine Skiabfahrt in Südtirol hinunter. Auf einmal löst sich eine Lawine und begräbt die Sportler auf der Piste unter sich. Eine Frau und zwei Kinder aus Deutschland sterben. Auch in der Schweiz kommt ein Deutscher ums Leben. Im Video spricht der Bürgermeister Rainer Karl Josef über die Lage in Schnalstal.

Drei Deutsche sterben bei Lawinenunglück

Eie 35 Jahre alte Frau und eines der Mädchen stammen aus Hauteroda im Kyffhäuserkreis in Thüringen, erklärt die italienische Polizei. Die Mutter - eine Soldatin, wie Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer mitteilte - starb sofort. Ihre Tochter wurde noch mit einem Rettungshubschrauber in ein Krankenhaus in Trient gebracht. Dort erlag sie dann aber ihren Verletzungen. Der Vater war vor Ort, wurde aber nicht von der Lawine verschüttet.

Das andere Mädchen kommt aus Eschweiler in Nordrhein-Westfalen. Es starb sofort an der Unglücksstelle. Dessen Vater und elf Jahre alter Bruder seien mit Verletzungen ins Krankenhaus nach Meran gekommen, sagte ein Polizeisprecher. Die Mutter werde wegen eines Schocks behandelt.

Wie konnte es zu so einem Unglück mitten auf einer Piste kommen?

Wer auf Skitouren abseits der Piste geht, muss mit Lawinen rechnen und ist meist mit Piepsern oder anderen Such- und Ortungsgeräten ausgerüstet. So starb ebenfalls am Samstag ein deutscher Tourengänger in einer Lawine in der Schweiz. Der Mann aus Baden-Württemberg hatte mit seinem Sohn auf dem Weg zum Stieltihorn die Skipisten verlassen. Auf einer Höhe von etwa 2700 Metern wurde der Vater von einer Lawine mitgerissen. Auch in den Dolomiten in einer Tourenregion starb am Sonntag ein weiterer Skifahrer in einer Lawine.

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Keine vollständige Sicherheit in den Bergen

Betreiber müssen den Zustand der Piste und die Lawinengefahr kontrollieren. Sie können Pisten sperren, wenn sie die Situation für gefährlich halten. Oft werden Lawinen mit Sprengungen künstlich ausgelöst, um das Risiko für Skifahrer zu minimieren. Aber vollständige Sicherheit gibt es in den Bergen nie.

An jenem Samstag herrschte Lawinenstufe 3 von 5. Das bedeutet "erhebliche Gefahr". Aber es blies ein scharfer Wind. Und Wind begünstigt Lawinen. Zudem seien die Temperaturen gegen Mittag angestiegen. Auch das ist ein Lawinenfaktor. "Der Hang über der Piste ist sehr steil, und mit dem Wind verhält sich Schnee wie Zucker auf einer Glasplatte", sagte Bergretter Milan.

Skigebietbetreiber hatte die Lage als ungefährlich eingeschätzt

Im Lawinenbericht der Region heißt es: "Vor allem in den Hauptniederschlagsgebieten und in hohen Lagen und im Hochgebirge sind mit dem stürmischen Nordwind einzelne mittlere spontane Lawinen möglich." Einen Kilometer lang und 200 Meter breit soll das Schneebrett laut italienischen Medien gewesen sein.

Doch der Skigebietbetreiber hatte die Lage anders beurteilt. "Unsere Mitarbeiter haben am frühen Morgen die Lage geprüft und es gab keine Gefahr. Wenn sie Zweifel gehabt hätten, hätten sie die Talabfahrt bestimmt niemals geöffnet", sagte Thomas Konstantin Stecher von der Gletscherbahn im Schnalstal laut Nachrichtenagentur Ansa. Es sei nicht auszuschließen, dass Skifahrer abseits der Piste das Schneebrett ausgelöst hätten.

Allerdings hält die Polizei das für unwahrscheinlich. Es gebe bisher keine Hinweise, dass Tourengeher für das Unglück verantwortlich seien, sagte der Sprecher am Sonntag.

TVNOW Doku "Die Lebensretter - Einsatz in den Alpen"

Eine Lawine - Menschen liegen verschüttet unter Schneemassen begraben. Lebensgefahr. Jetzt zählt jede Minute. Die Bergrettung Tirol muss jedes Jahr zu hunderten solcher Einsätze ausrücken. Einsätze, bei denen die Retter häufig ihr eigenes Leben riskieren, um anderen in Not zu helfen. Unser Kamerateam war hautnah bei einer solchen Rettungsaktion dabei. Die ganze TVNOW Doku "Die Lebensretter - Einsatz in den Alpen" finden Sie hier.