Tödlicher Fleischersatz

Darum müssen auch für Veggie-Wurst Tiere sterben

18. September 2020 - 9:53 Uhr

Es sterben sogar mehr Tiere als für das Original

Wer zum vegetarischen Wurstaufschnitt im Kühlregal greift, der will vor allem eins: Kein Fleisch essen! Und die Gründe können verschieden sein. Gesundheit, Tierschutz, Umwelt – all das spielt für die Verbraucher eine Rolle. Was aber die wenigsten ahnen: Für die Herstellung einer Veggie-Wurst müssen teilweise mehr Tiere sterben als für das "Original". Klingt undenkbar, hat aber mit den Ersatzstoffen zu tun. Warum sogar Verbraucherschützer überrascht sind und worauf Veggie-Wurst-Freunde achten sollten, zeigen wir im Video.

Veggie-Hersteller erleben Umsatz-Boom

Deutschland erlebt in diesem Jahr einen Fleischersatz-Boom. Der Wurstwarenhersteller Rügenwalder Mühle aus dem niedersächsischen Bad Zwischenahn machte im Juli sogar erstmals mehr Umsatz mit vegetarischen und veganen Fleischalternativen als mit klassischen Wurstwaren. Wettbewerber Wiesenhof macht ebenfalls glänzende Geschäfte mit der Veggie-Wurst und auch der Lebensmittel-Gigant Nestlé konnte im ersten Halbjahr 2020 seinen Umsatz mit pflanzenbasierten Produkten um 40 Prozent steigern.

Doch der Erfolg hat auch seine dunklen Seiten. Denn wer glaubt, mit seiner Entscheidung für die Veggie-Wurst ein Zeichen für das Wohl der Tiere zu setzen, kann sich irren. Das Problem: Auch wenn kein Schwein für die Wurst geschlachtet wird, so müssen doch etliche Hühner für den Fleischersatz ihr Leben lassen.

12 Hühnerleben für 100 Kilo Mortadella

So hat das Magazin Stern nachgerechnet: Eine vegetarische Mortadella besteht zu 70 Prozent aus Eiklar. Für rund 100 Kilogramm Wurst würde man also rund 70 Kilogramm Eiklar benötigen. Ein Ei wiederum wiegt durchschnittlich 57 Gramm und besteht zu 58 Prozent aus Eiklar, das sind 33,06 Gramm. Für 70 Kilogramm Eiklar braucht man demnach rund 2120 Eier (das Eigelb wird in dieser Rechnung nicht berücksichtigt).

Eine Legehenne legt aber nur rund 300 Eier pro Jahr und wird schon nach 15 Monaten geschlachtet, weil ihre Eierproduktion nachlässt. Für 2120 Eier braucht es somit fast sechs Hennen. Weil aber bei der Züchtung von Legehennen die männlichen und damit nicht eierlegenden Küken in den meisten Betrieben getötet werden, kommt man insgesamt auf zwölf Hühner. Im Vergleich dazu muss für rund 100 Kilo echte Mortadella ein Schwein geschlachtet werden.

Sabine Klein ist Ernährungsexpertin bei der Verbraucherzentrale. Sie hat sich gemeinsam mit RTL-Reporterin Clara Pfeffer die Zutatenliste von einigen Fleischersatzprodukten angeschaut. Ihr Fazit: Aus Tierschutzsicht sind einige Produkte sogar die schlechtere Wahl. Und auch beim Klimaschutz schneidet die Veggie-Wurst schlechter ab. Warum, erklärt Verbraucherschützerin Sabine Klein im Video.

Darauf sollte man bei der Zutatenliste achten

Wer seine Lieblings-Veggie-Wurst checken möchte, sollte bei der Zusammensetzung des Produkts auf Zutaten wie Eiklar oder Hühnerei-Eiweiß achten.

Und um auf Nummer sicher zu gehen, sollte man auf veganen Fleischersatz setzen. Im Gegensatz zu vegetarischen Produkten sind hier keine tierischen Produkte verarbeitet. Und die Nachfrage nach veganen Produkten wird immer größer. Auf Nachfrage von RTL schreibt der Hersteller Rügenwalder Mühle: "Neben Produkten mit leckerem Geschmack und hoher Qualität möchten die Konsumenten immer mehr Alternativen ohne tierische Zutaten. Daher verfolgen wir das Ziel, neue Fleischalternativen vegan zu produzieren und sofern möglich, die Rezepturen bestehender vegetarischer Produkte auf vegan umzustellen." Den Verbaucher wird es freuen. Für Tierwohl und Klimaschutz gibt er auch gerne etwas mehr aus, was schließlich auch beim Hersteller die Kasse klingen lässt.

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