"Mediator-Affäre" in Frankreich

Tödliche Schlankheitspillen: Pharmakonzern muss Millionenstrafe zahlen

Pillen, die beim Abnehmen helfen sollen, bringen oft starke Nebenwirkungen mit sich (Symbolbild).
Pillen, die beim Abnehmen helfen sollen, bringen oft starke Nebenwirkungen mit sich (Symbolbild).
© DPA

01. April 2021 - 14:02 Uhr

Pillen könnten Tod von 500 Patienten verursacht haben - allein in Frankreich

Im spektakulären Strafprozess um gefährliche Schlankmacher-Pillen in Frankreich ist der Pharmakonzern Servier zu einer Geldstrafe in Höhe von 2,7 Millionen Euro verurteilt worden. Das Gericht in Paris befand den Hersteller der schweren Täuschung sowie fahrlässiger Körperverletzung und Tötung für schuldig. Ein Ex-Topmanager wurde zu vier Jahren Gefängnis auf Bewährung verurteilt, den Opfern 160 Millionen Euro Entschädigung zugesprochen.

"Mediator-Affäre": Servier hat "die Verbraucher getäuscht"

Der Schuldspruch ist ein Paukenschlag in der sogenannten "Mediator-Affäre", die als einer der größten französischen Gesundheitsskandale gilt. Die Staatsanwaltschaft hatte sogar eine noch deutlich höhere Strafe gefordert. Der Prozess hatte bereits im Herbst 2019 begonnen. Die Pillen von "Servier" könnten allein in Frankreich den Tod von mindestens 500 Patienten verursacht haben - zu diesem Schluss war schon vor langer Zeit eine Studie der Aufsichtsbehörde für Medikamenten-Sicherheit gekommen. Das Mittel soll unter anderem Herz- und Kreislaufschäden hervorgerufen haben.

Doctor Irene Frachon, who discovered that the drug Mediator could have fatal side effect, adjusts her mask prior to speak to reporters as she walks out at a Paris courthouse, Monday, March 29, 2021. A Paris court handed hundreds of millions of euros
Die Ärztin Irene Fracho hatte herausgefunden und vor Gericht dokumentiert, dass das Medikament "Mediator" fatale Nebenwirkungen hat.
© AP, Francois Mori, FM

"Servier" hatte die Vorwürfe stets zurückgewiesen. "Obwohl sie die Risiken seit vielen Jahren kannten, (...) haben sie nie die notwendigen Maßnahmen ergriffen und damit die Verbraucher getäuscht", sagte die Richterin bei der Urteilsverkündung der französischen Nachrichtenagentur AFP zufolge über den Pharmahersteller. Dieser wurde allerdings vom Vorwurf des Betrugs freigesprochen. Auch die nationale Agentur für Arzneimittelsicherheit ist zu einer Geldstrafe von 300.000 Euro verurteilt worden. Ihr wird zur Last gelegt, die Aussetzung des Medikaments verzögert zu haben. "Mediator" kam Mitte der 70er-Jahre als Diabetes-Medikament auf den Markt, es wurde aber auch häufig Übergewichtigen als Appetithemmer verschrieben. In Frankreich ist es seit Jahren nicht mehr auf dem Markt, in Deutschland wurde es nie verkauft.

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Opfer hatten deutlich höhere Strafe gefordert

"Mein Leben wurde auf den Kopf gestellt (...). Ich finde, sie sind noch gut davongekommen", reagierte eine Betroffene im Sender France Bleu auf das Urteil. Mit Blick auf den Schadenersatz sagte Opferanwalt Charles-Joseph Oudin: "Das ist angesichts der Schwere der Tat und der lukrativen Natur der Straftaten sehr gering."

Die Zivilparteien hatten eine deutlich höhere Entschädigung gefordert. Der Pharmahersteller teilte auf Anfrage mit, in den kommenden Tagen entscheiden zu wollen, wie man auf das Urteil reagieren werde.